CELT document D503000

Das Gedicht der vierzig Fragen von Eochaid ua Cērīn

 p.130

Das Gedicht Der 40 Fragen von Eochaid ua Cērīn

Eochaid Eolach (“der Kundige”) ua Cērin wird LU 39 a 15 zusammen mit Fland [Manistrech] genannt, zwar auf einem vom Interpolator H eingeschobenen Blatt, aber da die Stelle einen Abschnitt des älteren Schreibers M fortsetzt, ist sie ohne Zweifel aus dem ursprünglichen Text von LU aufgenommen. Darnach setzt man ihn wohl mit Recht ins 11. Jahrhundert; vielleicht war er der Klosterbruder oder der Nachfolger von Fland in Monasterboice. 1 Soviel ich weiß sind nur zwei Gedichte von ihm überliefert. Das eine über Loch Garman ist in die Dinnshenchas-Sammlung aufgenommen worden und zuletzt von Edw. Gwynn, The Metrical Dindshenchas III 168ff. herausgegeben. Das andere kenne ich nur aus Brit. Mus. Egerton 1782 fol. 53v, a–54r, b; es stellt 40 Fragen über die irische Urgeschichte und Sage. 2 Glücklicherweise ist die Antwort in beigefügten Interlinearglossen gegeben. Wenn diese auch wohl nicht vom Verfasser selber herrühren, da der Glossator in Strophe 9 son n-doilbthe als Kompositum sonndoilbthe gefaßt zu haben scheint, so doch offenbar von einem Eingeweihten, vielleicht von einem Schüler Eochaids. Der Dichter scheint hauptsächlich solche Sagenbestandteile im Auge zu haben, die von anderen Denkmäern ähnlichen Inhalts abweichen oder sie ergänzen sollen.


Eochaid ua Cérín

German translation

Edited by Rudolf Thurneysen

Whole text

     p.133

    Dies ist das Gedicht der vierzig Fragen, das Eochaid ua Cērīn gemacht hat

    [1] Sagt, ihr Kundigen Elgs (Irlands), Schar des wahrhaft berühmten Fōtla (Irland), kennt ihr im Westen oder Osten den Namen der Frau von Fēnius Farsaid?
    Bēlait die Tochter Laitens, Mutter Nēls des Sohns von Fēnius Farsaid. Ein Sonnenstrahl hat sie getötet.

    [2] Welcher Mann tötete Iar der Pferde? Wo wurde sein Erschlagen gefunden? Nicht traf ihn der Tod, obschon er ihn verwundet (erschlagen) hatte, den Kundigen 3 mit den vielen Sprachen.
    Fēnius selber tötete Iar mac Nēma mit dem Kinnbacken eines Kamels, nachdem Iar zu Bēlait gegangen war, and Bēlait starb aus Liebe und wurde in Carn Bēlaite begraben. 4

    [3] Welcher gewaltsame Tod traf Fēnius selber, nah oder fern? Wo ist der alte Weise Iar mac Nēma der {} 5 begraben.
     p.134 Auch Fēnius starb nach 5 Tagen an einem Vergessenheitstrunk und wurde im Norden der Ebene von Senar begraben. Iar wurde in der Stadt Epithena 6 begraben and Fēnius ließ nicht zu, daß er selber und Iar zusammen in derselben Stadt begraben wurden.

    [4] Und welches sind die ungestümen zähen drei Männer, die nach der Sündflut lebten, so daß sie sich von Horn zu Horn über jeder Einöde in Irland befinden?
    Drei Brüder der Cessair kamen eine Nacht vor der Sündflut nach Irland und sprachen gar nicht mit Cessair. In Gestalt von Vögeln waren sie und auf Benn Boirche.

    [5] Was führte Partholōn aus seinem Lande? Weshalb tat er die große Tat? Mit wieviel Leuten war er von Tal zu Tal? Weshalb ging er in Irland unter?
    Partholōn tötete seinen Vater and seine Mutter, da er das Königtum fur seinen Bruder erstrebte ( 7. Und er kam auf der Flucht seines Sippenmords nach Irland. Darnach kam ein großes Steben als Strafe für seinen Sippenmord: 9000 von ihnen starben in einer Woche. 8

    [6] Welcher König herrschte über Temair, als hochedler Schnee fiel? Der Teil davon, der auf Temair fiel, war feines Silber von findruine.
    Im siebenten Jahr der Herrschaft von Ēna Airgtech fiel ein Regen von Silber in Temair and ein Regen von Wein über ganz Irland.

    [7] Wer ist der Jüngling mit vielen Taten, der nach Emain kam ohne Irren? Er tötete zehnmal Hundert—eine klare Tat—von dessen Leuten in einer Nacht.
    Oengus, der Sohn des Dagda, der kam nach Emain wegen des Wortes Conchobors, als dieser sagte: “CuChulainn überstrahlt einen jeden.” Und Oengus tötete zehnmal Hundert im Craebruad and fesselte CūChulainn and versenkte Conall and Celtchair and Conchobor in Schlaf. 9

    [8] Welcher von seinen Ziehsöhnen im Osten vergewaltigte Etan? Und sage mir klug: welches ist der Name von Senbeccs Vater?
    Abcān ('Zwergchen') ua h-Ebricc der Dichter, der vergewaltigte Etan die Tochter Diancēchts am Ufer des Boyne-Flusses and schwängerte  p.135 sie. Darauf kam Oengus and tötete Abcān. Dann gebar Etan Senbec ('den alten Kleinen') and Oengus zog darauf Senbec auf. 10

    [9] Die Namen der Drei mit den gefälschten Worten, laßt sie nicht unerledigt. Was bewirkt bis jetzt hier das Leuchten im Stamm, der fault?
    ('Lüge') and Anfīr ('Unwahrheit') and Ainfiss ('Unwissenheit') sind die Namen der sonndoitbthe11.—Als Christus aus seinem Grabe auferstand, da sang er den Psalter über einen morschen Stamm, daher ist das 'Fuchsfeuer' (Fosforeszieren des faulen Holzes).

    [10] Wer hat zuerst Gastfreundschaft erwiesen? Kennt ihr seinen Wandel? Bitteres and Süßes zugleich, was hat sie in einer Nacht erzeugt?
    Seth der Sohn Adams gab seinen Brüdern ein Gastmahl auf dem Berge Tabor and schenkte jedem Bruder unter ihnen Vieh (Habe), so daß sie ihm ihren Segen zurückließen.—Michael sagte zu Adam: “Segne die Früchte; denn der Teufel der Überredung wird wieder zu dir kommen, dich in betreff der Früchte zu verderben.” Alles, was Adam segnete, ist süß; alles, an das der Teufel gelangte, ist bitter.

    [11] Welcher von den Königen der Fir Bolg, der Irland beherrschte, obschon es wider die Würde war, lieferte auf Mag Tured—elend war das Zusammentreffen—dem gefolgereichen Tuath Dē Danann eine Schlacht?
    Triath mac Amuir, der letzte König der Fir Bolg, war der neunte König unter ihnen. Und er lieferte den Tuatha Dē Danann die Schlacht von Mag Tured.

    [12] Welches sind die Namen der sechs Frauen und die Namen ihrer Väter, die die Sohne des trefflichen Mil(ed) mit sich nahmen von dem rotgesichtigen Tuath Dē Danann?
    Lian, Liphe and Lemain, die drei Töchter Miders. Aillenn, Cuillenn and Cairche, die drei Töchter Goibniu's.

    [13] Und nun die Namen der Männer, zu denen die Frauen kamen: ihr Leute der Kunst mit den beliebten Gedichten, hört auf uns and nennt sie!
    Lian (kam) zu Cuailgne, Life zu Fuat, Lemain zu Murthemne, Aillenn zu Lugaid, Cuillenn zu Surge, Cairche zu Sobairche.

     p.136

    [14] Welcher letzte rasche König unter ihnen herrschte über die Sprosse der Gailian? Und sagt mir ohne Schimpf, welchen Namen hatte dieser König?
    Dreizehn Könige von den Tuatha Dē Danann herrschten über Irland, bis die Maic Miled kamen. Gola, nach dem Sliab n-Gola in Kerry benannt ist, der war der letzte König von ihnen.

    [15] Und der Name der Frau des hohen Ēber— die gemeinen Barden kennen ihn nicht—, der Name ihrer Mutter {} 12 und der Name ihres edlen Vaters.
    Adair die Tochter des großen Dagda, die schlief mit Ēber; Morrīgan ist der Name der Mutter von Adair, der Frau Ēbers.

    [16] Welches ist sein Geschick von da bis jetzt, des Tuath Dē (Danann) mit den wuchtigen Menschen? Verkündigt es zu Hause und im Osten, welches ihre Würde ist, und sagt es!

    BonnR. Thurneysen

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Title statement

Title (uniform): Das Gedicht der vierzig Fragen von Eochaid ua Cērīn

Title (firstline): Apraid a élchu Elga

Title (supplementary): German translation

Editor: Rudolf Thurneysen

Author: Eochaid ua Cérín

Responsibility statement

Translated by: Rudolf Thurneysen

Electronic edition compiled and proof corrections by: Beatrix Färber

Funded by: University College, Cork via the Writers of Ireland Project

Edition statement

1. First draft, revised and corrected

Extent: 2270 words

Publication statement

Publisher: CELT: Corpus of Electronic Texts: a project of University College, Cork

Address: College Road, Cork, Ireland—http://www.ucc.ie/celt

Date: 2009

Date: 2018

Distributor: CELT online at University College, Cork, Ireland.

CELT document ID: D503000

Availability: Available with prior consent of the CELT programme for purposes of academic research and teaching only.

Source description

Manuscript sources of base text

  • London, British Library, Egerton 1782, fo. 53va–54rb.

The edition used in the digital edition

Thurneysen, Rudolf (1921). ‘Das Gedicht der vierzig Fragen von Eochaid ua Cērīin [Apraid a élchu Elga]’. In: Zeitschrift für Celtische Philologie‍ 13, pp. 130–136.

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  author 	 = {Rudolf Thurneysen},
  title 	 = {Das Gedicht der vierzig Fragen von Eochaid ua Cērīin [Apraid a élchu Elga]},
  journal 	 = {Zeitschrift für Celtische Philologie},
  number 	 = {13},
  address 	 = {Halle an der Saale},
  publisher 	 = {Niemeyer},
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  pages 	 = {130–136}
}

 D503000.bib

Encoding description

Project description: CELT: Corpus of Electronic Texts

Sampling declarations

The electronic edition represents the edited text, pp. 130 and 133–136. The Middle Irish text is available in a separate file, G503000.

Editorial declarations

Correction: Text has been checked and proofread once. Text supplied by the editor is tagged sup resp="RT".

Normalization: No normalization.

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Segmentation: div0=the poem.

Hyphenation: The editor's hyphenation has been retained.

Interpretation: Names have not been tagged.

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Creation: Rudolf Thurneysen.

Date: 1920

Language usage

  • The text is in German. (de)
  • A few terms are in Middle Irish. (ga)

Keywords: saga; poetry; medieval; wisdom; translation

Revision description

(Most recent first)

  1. 2018-04-18: Header details relating to editor and translation modified. (ed. Beatrix Färber)
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  1. S. O'Curry, Manners and Customs II 113 f.; Zimmer, KZ 28, 680f. 🢀

  2. Vgl. das Gedicht der 50 Fragen, das K. Meyer, Zeitschrift für Celtische Philologie 4 234ff. aus derselben Handschrift herausgegeben hat. 🢀

  3. Oder: obschon der Kundige ihn verwundet hatte? Der Vers ist nicht ganz klar, zumal statt ni vielleicht in zu lesen ist; aber dann ist das gegensätzliche cía nicht recht verstaendlich. 🢀

  4. Der Liebestod Bēlaits stimnmt nicht zu der Glosse zu Strophe 1, wonach ein Sonnenstrahl sie tötete. Doch fehlt zwischen grād und ro-adhnocht kaum mehr als ⁊. 🢀

  5. nainteam (wegen der Alliteration nicht n-ainteam) verstehe ich nicht. 🢀

  6. Vgl. im Auraicept: apud Eotenam ciuitatem B(ook of) B(allymote) B 316 b 21. 🢀

  7. deshalb heißt er Partholōn mac Sera, d. h. sippenmörderischer Sohn. cera ist 'Sippenmord') 🢀

  8. Das ist in jüngere Redaktionen des Lebor Gabāla aufgenommen; s. B(ook of) B(allymote) 23 b 6 ff., van Hamel Zeitschrift für Celtische Philologie 10 153. 181.  🢀

  9. Von dieser Sage ist mir nichts bekannt. 🢀

  10. Zum Zwerg Senbec vgl. RC 6, 182 🢀

  11. S. oben S. 130. 🢀

  12. cemafath mit kurzem 'a' verstehe ich nicht.  🢀

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