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Sechzehn Briefe aus Irland nach Sachsen

Carl Gottlob Küttner

Sechzehn Briefe aus Irland nach Sachsen

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1. 1783

1. Convay in Nord-Wallis, d. 8. Jun.…

Convay in Nord-Wallis, d. 8. Jun. 1783

Hier mache ich einen gewaltigen Sprung, mein lieber Freund, denn auf einmal finden Sie mich auf dem Wege nach Irland. Vergangenen Donnerstag, den 5ten dieses kam ich in Manchester an, und fand alles in ungeduldiger Erwartung meiner Ankunft. Der Graf von T** {Tyrone} war nie nach Manchester gekommen, wie ich es vermuthet hatte, sondern erwartete mich in Dublin. Ich fand alles schon zur Abreise fertig und eingepackt, man erwartete nur mich, um abzureisen. Ich brachte denn sogleich verschiedenes in Manchester in Ordnung, schrieb einige Briefe, machte einige Bekanntschaften, und den 7ten Nachmittags reißten wir zusammen  p.2 ab. Morgen gehen wir über die Inseln Anglesey und Holyhead in den Hafen Holyhead, wo wir uns mit dem ersten guten Wind nach Irland einschiffen werden. Ich habe Ihnen allerley von meiner Reise von London nach Manchester, und von Manchester hierher, zu schreiben; das wird nun aber wohl so bald doch nicht geschehen. 1

2. Dublin, den 14. Jun. 1783Auch hier,…

Dublin, den 14. Jun. 1783

Auch hier, lieber Freund, bin ich endlich glücklich und gesund angekommen. Ich danke Gott mit einem wahrhaft gerührten Herzen, daß auch diese Wanderschaft zu Ende ist, ohne daß mir nur das Allergeringste begegnet wäre. Gewiß war diese Reise wegen der Eile, mit der ich sie machen mußte, wegen des vielen Nachtfahrens, und wegen der doppelten Seefahrt, die beschwerlichste, die ich je gemacht habe. 2 Gleichwohl ist sie nun vorbey, ich bin nicht ein einziges mal eigentlich krank gewesen, und habe  p.3 noch oben drein manches angenehme, manches vergnügte und unterhaltende erlebt.

Nun auf meine letzte Überfahrt! Sie war gerade so, wie ich sie vermuthete, äußerst langweilig, beschwerlich und leidenvoll; ich bin sieben und dreyßig Stunden auf dem Meere gewesen, und habe da im kleinen all die Mühseligkeiten erfahren, deren man auf Seereisen ausgesetzt sein muß. Ich habe oft und viel in Romanen und Reisebeschreibungen davon gelesen; überall aber mangeln gewisse Details, die freilich zum Theil sehr eckelhaft sind, ohne die man sich aber unmöglich einen rechten Begriff davon machen kann. Sie wissen, lieber Freund, daß wir alle gerne von unsern ausgestandenen Übeln reden; und da ich meine Fahrt noch in frischem Andenken habe, so will ich es versuchen, Ihnen eine umständliche Beschreibung davon zu machen.

Den 10ten früh um sechs Uhr gingen wir, nebst ohngefähr zwanzig anderen Passagiers, mit der Fluth unter Segel. Unser Packetboot war wohl noch einmal so groß, als das, in dem ich von Calais kam, folglich war das Verdeck überaus geräumig und bequem; allein das Innere war sehr von jenem unterschieden. In dem zu Calais war nur ein einziges, großes und niedliches Zimmer mit sechs Betten, und auch in diese legt sich selten  p.4 jemand, weil man auf dem Verdeck bleibt, so lange, als man nur immer kann. Hier hingegen waren drey Zimmer mit achtzehn Betten, die wegen der Länge der Überfahrt alle gebraucht wurden, und das Schiff zu einem wahren Lazarette machten. Ein Irländischer Lord, der mit seiner Frau, drey Töchtern und einer Kammerjungfer von Bath kam, war uns zuvorgekommen, und hatte das erste und beste Zimmer mit acht Betten gemiethet. Wir mußten mit dem zweyten vorlieb nehmen, dessen Fenster und Thüre nicht ins Freie, sondern in andere Zimmer gingen. Dabey war es so klein, daß unsere vier Betten den ganzen Raum füllten. Das übrige des Schiffs war durch die Bedienten des Lords und einige andere Passagiers so angefüllt, daß nach acht Stunden nicht nur die Betten, sondern der ganze Boden voll war.

Da fast kein Wind war, wurden wir ganz sanft durch die Fluth aus dem Hafen getrieben, und kamen erst nach zwey Stunden aus dem Meerbusen von Holyhead heraus. Trockene, graue Felsen, deren unterer Theil durch das Anspülen des Meeres ganz schwarz ist, einige mäßige Berge, und der Anblick der kleinen Stadt, machen zusammen eine Aussicht, die ohne reich zu seyn, nicht eben unangenehm ist. Nach zwey Stunden bekamen wir Wind, der immer stärker  p.5 und stärker wurde, ohne jedoch den Namen eines Sturms zu verdienen. Es war mehr wider uns als für uns, und doch kamen wir in drey Stunden sehr weit ins Meer hinein, weil man, wie Sie wissen, mit jedem Winde fahren kann, wenn er nur nicht schnurgerade entgegen ist. Die schwankende Bewegung des Schiffs war äußerst stark, und da wir den Wind von der Seite auffangen mußten, ging es so schief, daß wir uns alle auf dem Verdecke in die Winkel legen mußten.

Jetzt wurde nun unsere Gesellschaft nach und nach kleiner; eins nach dem andern wurde krank und verließ das Verdeck. Der Wind wurde immer stärker; die Wellen flogen häufig auf das vordere Verdeck, wo die Matrosen sind, zerschlugen sich da, und ihre feuchten Theile wurden bis auf das hintere zu uns getrieben. Die Bewegung ist wohl die Hauptursache der Seekrankheit; darzu kommt freilich hernach noch der Gestank von Pech und Theer, das Ausdünsten des Seewassers, das heulende Schreyen der Matrosen, so oft sie ein Thau anziehen, oder ein Seegel wenden, das beständige Knattern des Schiffs, und in der Kajüte der Eckel, den das Erbrechen der andern nebst dem Geruche erregt.

Ich hatte mich bis gegen Mittag auf dem Verdeck erhalten; da es aber endlich anfing zu  p.6 regnen, und die Wellen immer stärker auf das Verdeck sprangen, ging ich in die Kajüte, wo ich in weniger als einer halben Stunde sehr krank ward. Sie können sich nichts eckelhafteres vorstellen, als den Geruch und das Getöse und Anstrengen von alle dem Erbrechen. Manche werfen sich im Bette herum, manche liegen auf der Erde ausgestreckt und strengen sich an, und wimmern entsetzlich. — Es sind allemal zwey Betten, aus denen manchmal die Obern sich über und auf die Untern herab erbrechen. Doch hat ein jeder sein Gefäße von feiner englischer Erde, und ein Wärter, der ausdrücklich darzu da ist, auch wenn es nöthig ist, mehrere, gehen beständig herum, tragen weg, und bedienen einen auf jeden Ruf mit vieler Sorgfalt.

Und so glaub ich haben Sie genug von der eckelhaften Scene. In der Natur ist sie; dafür bin ich Ihnen gut; in einem freundschaftlichen Briefe kann sie, der Seltenheit wegen, allenfalls auch einen Platz finden, aber weiter nicht; unsere teutschen Schauspieldichter des letzten Decenniums mögen auch sagen, was sie wollen. 3

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Ich legte mich nun auch zu Bette, und blieb drey und zwanzig Stunden in diesem engen Gefängniße liegen.

Gegen die Nacht legte sich der Wind, und mit der sanftern Bewegung des Schiffs nahm auch meine Krankheit ab. Schon dieses ist einem große Wohlthat, ob ich schon die ganze Nacht hindurch unausgesetzt leiden mußte. Die Hangmatten sind nicht so eingerichtet, daß man sich auskleiden kann; auch konnte ich mich kaum in einem Tuchkleide und einem Überrocke vor der Kälte sichern. Das lange Liegen ist äußerst schmerzlich. Sie fühlen jeden Knopf, jede Falte Ihres Hemdes und Ihres Kleides. Ihre Lage öfters zu ändern, ist unmöglich, weil jede Bewegung neue Übelkeiten und Erbrechen erregt. Alle Glieder schlafen Ihnen ein, alle Knochen dünken Sie zerschlagen zu seyn. Wenn das Schiff schief geht, und Ihr Kopf auf der hängenden Seite sich befindet, so ist er manchmal um einen Schuh tiefer als Ihre Füße. Das Blut steigt Ihnen in den Kopf und erregt heftige Kopfschmerzen. Vor Ermattung und  p.8 Schwäche schlafen Sie ein, werden aber alle Augenblicke durch das Ächzen Ihres Nachbars, durch das Schreyen der Matrosen, durch das Krachen des Schiffs und durch die Schmerzen eines eingeschlafenen Gliedes aufgeweckt. Was aber die meisten Schmerzen verursacht, ist die Vertiefung unter der Brust oder sogenannten Brustkehle, welche durch das Erbrechen und die beschwerliche Lage so stark angegriffen wird, daß Ihnen zuletzt der Atem fehlt, und jeder Zug mit einem Stiche begleitet ist. Und doch ist das Bette noch der behaglichste Ort, in dem man seyn kann.

Ich wußte, daß in der Nacht der Himmel heiter war und der Mond schien. Wie anziehend würde zu jeder andern Zeit ein Schauspiel, wie dieses für mich gewesen seyn! Der Schimmer des Mondes auf der offenen, freyen See! Und doch hatte ich nicht das geringste Verlangen, das zu sehen; man hätte einen Blick ins Paradies werfen können, ich wär' nicht aufs Verdeck gegangen. Und so ändert sich der Mensch durch die Umstände und wird sich selbst völlig ungleich von einem Augenblick zum andern. Schon heute, ob ich gleich noch alles im frischen Gedächtnisse habe, kann ich nicht mehr recht begreifen, wie ich bey vollen Sinnen so entsetzlich schwach seyn konnte, und vieles ist mir schon wie ein Traum.

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Gegen Morgen sagte man, daß man die Küste von Irland sähe, daß aber überaus wenig Wind wäre, und daß er fast gegen uns sey. Die Matrosen machten nun Thee und andere Getränke, die Bewegung des Schiffs war sanft, und die Passagiers fingen allmälig an, wieder etwas zu sich zu nehmen. Nach drey und zwanzig Stunden verließ ich endlich meine Hangmatte, taumelte auf das Verdeck und sahe mich um eilf Uhr Vormittags so nahe an der Irischen Küste, daß ich in zehn Minuten zu Lande dahin hätte gehen können. Wir befanden uns am Eingange in den Dubliner Meerbusen, an der linken Seite, und wir hätten, vermittelst eines Bootes sehr gut landen können. Ich wunderte mich sehr, daß man da keine Häuser und Posten angelegt, um zu Lande nach Dublin zu kommen. In der That kam ein kleines Fahrzeug an unser Schiff; allein niemand wollte sich auf diese Einöde ans Land setzen lassen, und so mußten wir noch acht Stunden auf dem Meere bleiben.

Der Eingang in den Meerbusen ist sechs Meilen 4 breit und sehr schön durch ziemlich hohe Berge, die auf beyden Seiten die Landspitzen  p.10 formiren. Wir fuhren an dieser Landspitze, oder Vorgebirge zur linken zwey Stunden lang in einem Zikzak herum, ehe wir in den Hafen einliefen. Mit gutem Winde hätten wir das in fünf Minuten gemacht. Die Tiefe des Meerbusens bis Dublin beträgt vom Eingange zehn Meilen. Erst Abends um sechs Uhr kamen wir an den Leuchtthurm, welcher noch drey Meilen weit von der Stadt ist, und von welchem aus man seit einigen Jahren einen Damm anlegt, an dem man gegenwärtig noch arbeitet. Unser Schiff warf hier die Anker aus, wir stiegen in ein Boot, welches leichter segelte, und nach einer Weile Wegs wurde es von acht Männern längst den eben angeführten Damm bis in die Stadt gezogen, wo wir um sieben Uhr ankamen.

Man sagt, der Dubliner Meerbusen sey einer der schönsten in der Welt. Ich weiß es nicht, denn außer dem von Holyhead hab' ich keinen gesehen, indem Dover und Calais keine eigentliche Bay haben. Allerdings ist es ein reizender Anblick, sich mitten in dieser Bay zu befinden, die an manchen Orten wohl zwölf bis funfzehn Meilen breit seyn mag; das Land rings umher zu sehen, die hohen Berge zur linken in mannigfaltigen Formen mit allen den unzähligen Landhäusern und Flecken und Hütten;  p.11 für mich aber ist das Ganze doch etwas zu weit, mein Auge faßt es nicht, und die rechte Seite, wo die Berge nicht sonderlich hoch sind, war für mich fast ganz verloren, weil wir uns sehr links hielten. Wenn ich an gewisse Orte auf dem Genfersee zurück denke, wie ich da mitten auf dem Wasser das herrliche Land umher sahe, wie in einem Meerbusen, die höhern und niedern Berge und alle die Abwechselung, und alles dem Auge größer und näher, so war das, dünkt mich fast noch schöner.

Überhaupt hat weder hier noch zwischen Frankreich und England das Meer die große Wirkung auf mich gemacht, von der ich so oft gehört und gelesen. Wenn ich den Genfersee an gewissen Orten betrachtete, und der ferne Horizont in Nebel gehüllt war, so sah ich ein Bild des Meeres. Freilich mag es von einem hohen Berge herab, an einem heitern Abende oder Morgen etwas ganz anders sein; aber dieses Schauspiel hab ich noch nicht gehabt. In Dungarvan in Nordwallis sah ich ohngefähr so etwas, aber die Aussicht war zu eingeschränkt; ich sah ein Stück vom Meere von einer Anhöhe herab, in dem Augenblicke, in dem die Sonne unterging, und eine ungeheure Purpurmauer vom Meere weg sich in die  p.12 Luft erhob. Doch davon ein andermal. Wenn ich mehr Ruhe habe, will ich mehr über diese Reise niederschreiben, und es Ihnen gelegentlich schicken.

Als wir vergangene Mittwoche hier ankamen, ließen wir uns vom Zollhause weg auf einem kleinen Fahrzeuge den Fluß herauf führen, stiegen nahe bey T** House aus, und erstaunten nicht wenig, niemanden als den Thorhüter zu finden. Lord P. schickte sogleich zu einigen seiner Verwandten, und da erfuhren wir, daß kein Mensch etwas von unserer Ankunft wußte, daß meine und seine Briefe fehl gegangen, und daß Lord T** auf seinem Landsitze, hundert Meilen von hier, sey. Alles dieß würde mich nicht wenig in Erstaunen gesetzt haben, wenn ich nicht schon gewußt hätte, daß die Briefe auf diesen Eylanden gar nicht mit der Ordnung gehen, wie auf dem festen Lande.

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3. C***, den 23. Jun. Eben hatte…

C***, den 23. Jun.

Eben hatte ich vergangenen Montag aufgehört, Ihnen zu schreiben, um zum Mittagsessen zu fahren, als ich einen Brief von Lord T** erhielt. Er konnte nicht in die Stadt kommen; wir verreisten den 17ten und kamen den 18ten hier an, wo ich die ersten Tage hingebracht habe, mich mit den Menschen, der Gegend umher, und den Dingen, die mich umgeben, so bekannt als möglich zu machen. Es sind nun fünf Tage, daß ich hier bin, und noch kenne ich nicht ganz das Gut, oder den Park, in dessen Mitte ich wohne, ob ich schon alle Tage  p.14 spazieren gehe, reite und fahre. Da ich nie in meinem Leben das Innere eines so genannten Parks der großen Herren in England, Schottland und Irland gesehen habe, so staune ich noch manches in dem an, in welchem ich bin, meines Grundsatzes nil admirari ungeachtet.

Ich möchte Ihnen gerne von so einem Parke einen Begriff geben; (Sie hätten dadurch einen allgemeinen, weil die Hauptsache in allen Englischen Parken auf das nämliche herauskommt) allein da man das auf dem festen Lande nicht kennt, wird es schwer seyn. Zuerst entfernen Sie jeden Begriff von Garten, denn es ist keiner; im Gegentheil entfernt der Engländer den Garten ein gutes Stück von seinem Hause weg, und verweist ihn gewöhnlich in einen Winkel des Parks, wo er nicht in die Augen fällt. — Stellen Sie sich einen Strich Landes vor, der an manchen Orten über drey Meilen im Durchschnitte hat, und der mehr aus Hügeln und Abhängen, als aus Ebenen besteht. Dieser ganze Strich Landes ist mit einer Mauer umgeben, welche man aber, wegen der Größe der Landschaft selten gewahr wird, und welche noch überdieß durch die so genannte Wilderness versteckt wird. Dieses ist eine Art Waldung, welche innerhalb der Mauer um den ganzen Park herumgeht. Dieser Wald ist gepflanzt, besteht aus einer großen Menge  p.15 verschiedener Arten von Bäumen, und ist so dichte, daß man von dem Wege aus, der rings herum geht, nichts sehen kann als Bäume und Gestrippe. Dieses schauerliche Dunkel hat für mich unendlich viel Reiz; der Fußboden ist mit dichtem und frischem Grase bewachsen, welches natürlich nicht so sehr betreten wird, daß man einen Weg darauf sehen sollte. Die Pferde bezeigen eine gewisse Lebhaftigkeit und Regheit, so bald sie auf diesen Boden kommen, und gewöhnlich macht man da ein Stück Weges im stärksten Galop. Das Dichte der Bäume zieht unzählige Vögel an sich.

Mitten im Parke steht das Wohnhaus, welches wie ein großes Gebäude oder Rathhaus auf einem Markte aussieht, denn auf beyden Seiten gehet eine lange Reihe kleinerer Gebäude. Gleich zunächst an den Gebäuden sind Wiesen, welche von einem breiten Wasser durchschnitten werden, das wie ein Fluß aussieht, das aber eigentlich durch Kunst in diesen Canal geleitet worden ist, und nur einen sehr kleinen Ablauf hat. Die ganz grünen Ufer dieses Wassers, ein langer Hügel mit unabsehbaren Wiesen, der sich an einer Seite desselben erhebt; ein Wald auf einer anderen Seite, der sich längst einem Berg hinauf zieht; eine kleine Insel, mit einem großen Baum darauf; eine Brücke, ein paar Kähne, und die  p.16 Ruinen einer alten Mauer — alles das zusammen macht die Gegend zunächst am Hause unendlich reizend. Der Canal ist von etwa zwanzig Schwänen bewohnt, deren angenehmes Weiß immer auf dem Wasser schimmert, oder mit der Farbe des Grases absticht, wenn sie, wie sie häufig thun, aus dem Wasser gehen und bis ans Haus kommen. Die Wiesen reichen bis an die Mauern der Gebäude; aber in der Entfernung von einigen Schritten geht um das ganze Haus herum ein Weg, der sorgfältig unterhalten und beständig mit einem steinernen Cylinder gewalzt wird, gerade so, wie man in Sachsen das Feld walzt.

So wie man sich vom Hause entfernt, kommt man bald in eine Allee, bald in ein Wäldchen von Nußbäumen, bald an eine Grotte im dicken Gebüsche, bald an eine Hütte, welche der Schäfer, oder an eine andere, welche der Kuhhirt bewohnt; oder an den Maierhof, oder auf eine Anhöhe, von der Sie viele Stunden weit auf den Sure {Suir} sehen können, auf welchem ansehnliche Schiffe mit der Ebbe und Fluth auf und ab fahren. Doch hat man die weiten Aussichten sorgfältig vermieden, und ein Theil des Parks wechselt immer so mit dem anderen ab; kurz, er ist so angelegt, daß Sie das Ganze nur hin und wieder übersehen können.

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Was für mich unendlich angenehm und fremd ist, ist die ungeheure Menge Vieh, womit der Park bevölkert ist, und welches alles beständig frey herum läuft, ja so gar nicht einmal im Winter in Ställe kommt. Es sind hier etliche hundert Kühe; die Pferde läßt man auf die Weide, sobald sie nicht gebraucht werden; über fünf hundert Damhirsche und bey tausend Schafe. Die Hirsche und Kühe weiden öfters mit einander, und lassen einen auf funfzehn bis zwanzig Schritte an sich kommen.

Dies vom Abhange eines Hügels zu sehen, ist unaussprechlich schön. Alles hat ein Ansehen von Freyheit und Wildheit, wenn schon alles eingesperrt ist. Ja selbst im Parke kann das Vieh nicht von einem Orte zum andern, sondern ist durch dichte, grüne Hecken getrennt, welche aber einer schönen Landschaft und nicht einem Gefängnisse gleich sehen.

4. Mittwochs, den 25sten Jun. 1783Ich habe…

Mittwochs, den 25sten Jun. 1783

Ich habe überlesen, was ich Ihnen auf den vorhergehenden Seiten von der Gegend geschrieben, in der ich jezt wohne; ich dachte, es könnte nicht ganz und gar ohne Interesse seyn, da es in der Natur so schön ist; aber  p.18 da seh ich nun leider, daß nichts so schwer ist, als Beschreibungen dieser Art, und ich fürchte sehr, daß Sie, anstatt einen Begriff von einem schönen Parke zu bekommen, etwas sehr langweiliges werden gelesen haben. Auch ist mir, wenigstens für diesmal, die Lust vergangen, weiter in meiner Beschreibung fortzufahren; vielleicht finde ich eine mehr dichterische Stunde darzu.

Jetzt will ich Ihnen nur noch sagen, daß der kleine Fluß Clogher zwey Meilen Wegs durch diesen Park macht, daß seine Ufer überaus romantisch sind, und daß er mehrentheils durch einen dichten Wald geht.

Ich komme nun auf die Lebensart, die man hier führt, und die mehr oder weniger, aber im Grunde doch dieselbige aller vornehmen Engländer und Irländer auf ihren Landsitzen ist. Ich mache sie, so viel als möglich, mit, weil ich fast durchgehends bemerkt habe, daß der sicherste Weg immer der ist, es zu machen wie die andern. Zudem ist es eine Art von Höflichkeit, wenn wir zeigen, daß die Belustigungen, die Einrichtungen, die Tafel, kurz die ganze Lebensart des Landes, in dem wir sind, uns gefällt. Dadurch, daß ich alles mitmache, und von den Übrigen mich  p.19 nicht absonder, komme ich mit der ganzen Gesellschaft in eine gewiße Gleichheit und Vertraulichkeit; der Gedanke eines Fremden verschwindet nach und nach, und man betrachtet mich als einen der Ihrigen. Wenn ich nicht so fest an diesem Grundsatz hielte, und von der Nützlichkeit seiner Ausübung so innig überzeugt wäre, so würde ich dies und jenes anders machen, und manchmal lieber auf meinem Zimmer arbeiten, als mit der Gesellschaft müßig gehen.

Mit dem Aufstehen hält es jeder wie er will; wer gern etwas thut, steht bey Zeiten auf, weil die Zeit vor dem Frühstücke die einzige ist, von der er recht mit Gewißheit sagen kann, daß sie sein ist. Zwischen zehn und elf Uhr geht man zum Frühstück, welches hier und in England eine Art Mahlzeit ist, und gemeinschaftlich im Speisezimmer genommen wird. Jedermann erscheint angezogen und frisiert, doch im Neglischee.

Nach einer Stunde ohngefähr sitzen die Mannspersonen zu Pferde, und reiten zwey oder drey Stunden im Parke herum, oder in der benachbarten Gegend. Wir sind manchmal funfzehn Personen und drüber, und dann sind einige Bediente dabey, welche die Thorwege  p.20 aufmachen, das Verlohrne aufheben und in ledernen Riemen Überröcke für die Gesellschaft nachführen. Wenn man wieder nach Hause kommt, geht jedermann auf sein Zimmer, läßt sich frisch frisieren, und zieht sich für das Mittagsessen an, da denn eine förmlichere Toilette gemacht wird, als früh. Sodann bleibt man entweder auf seinem Zimmer und beschäftiget sich, oder man geht in das Gesellschaftszimmer, wo auf einer Tafel alle öffentliche Papiere, Landkarten, etliche Bücher, Almanache, und alles zum Schreiben nöthige, gehalten wird. Hier macht ein jeder, was er will, ohne sich um die Frauenzimmer zu bekümmern, die sich etwan im nämlichen Zimmer befinden mögen.

Um fünf Uhr wird zu Mittage gegessen. Gegen sechs Uhr verlassen die Damen den Tisch, die Mannspersonen setzen sich an einen runden, und lassen Wein herumgehen, welches man tost oder toast nennt. Jeder gießt sich ein, so viel er will, oder läßt die Flasche vorüber gehen, so oft er will. Dieses dauert manchmal bis um sieben Uhr, da man wieder zu dem Frauenzimmer geht und Caffee oder Thee trinkt. Gleich darauf fährt man gewöhnlich in Cabriolets, oder einige gehen spazieren oder spielen Billiard. Wenn man wieder zurück kömmt, setzt man sich zum Kartenspiel. Sieht man, daß man nicht gerade  p.21 nöthig ist, so kann man auf sein Zimmer gehen, oder thun, was man sonst will.

Gegen elf Uhr setzt man sich zur Abend- oder Nachtmahlzeit nieder; eine Gewohnheit, die mir freilich sehr lästig ist. Man kann davon wegbleiben, ohne daß nach einem gefragt wird; allein ich mache alles, wie ich schon gesagt habe, so viel als möglich, wie die anderen. —

Fremde sind täglich am Tische; einige kommen; andere gehen, so daß die Scene sich ohne Unterlaß ändert, und ich oft viele Mahlzeiten nach einander nie den nämlichen Nachbar habe.

5. C***, den 2. Jul.Meine Lebensart und…

C***, den 2. Jul.

Meine Lebensart und meine ganze Lage ist noch vollkommen die, die ich Ihnen in meinem letzten Briefe ausführlich beschrieben habe, nur mit dem Unterschiede, daß ich jezt weit mehr an den Irischen Accent gewöhnt bin. Mit dem Lande umher bin ich auch bekannter geworden, und den Park finde ich immer schöner, je länger ich hier bin. Ohne Unterlaß entdecke ich etwas Neues und Anziehendes, oder ich komme der Kunst auf ihre Spur, in Partien, wo ich zeither blos Natur ahndete. Wenn die Kunst so fein versteckt ist,  p.22 so versichere ich Sie, lieber Freund, daß sie sehr liebenswürdig ist, zumal wenn alles so sehr ins Große geht, wie hier. Die Spaziergänge am Clogher oder Clodagh {Clodiagh}, einem kleinen Fluße, der durch den Park geht, und bald frey und offen fließt, bald von Bäumen umschattet ist, bald sanft in der Ebene schleicht, halb zwischen Berge sich drängt, und über Steine rauscht — sind unbeschreiblich angenehm. Das Ganze ist so romantisch, und so ganz für ein fühlend Herz gemacht, daß ich wenig Orte kenne, die angenehmer in Phantasien wiegen oder die Einbildungskraft mehr zur Schwärmerey reizen könnten. Ich fühle, daß dies alles unendlich schön ist, und daß ich glücklich bin, darinnen wandeln zu können, und daß überhaupt mein gutes Schicksal mich seit so vielen Jahren immer in reizende Gegenden setzte.

Je mehr ich das Land umher kennen lerne, desto mehr Ähnlichkeit finde dich zwischen ihm und gewissen Gegenden in der Schweiz und am Rhein. So gleicht z. B. der Sure von hier bis ans Meer ganz außerordentlich dem Rheine, und seine Krümmungen sind sogar noch schöner. Ein Stunde von hier hat das Landhaus, wo ich öfters bin, eine schönere Lage an diesem Fluße, als die irgend eines Landhauses, das ich am Rheine kenne. Erst vor einigen Tagen speißte ich da,  p.23 und besahe die ganze Gegend umher in dem Augenblicke, in dem die Fluth am höchsten war. (Und da war der Fluß ziemlich zweymal so breit, als der Rhein bey Basel ist.) Eine völlige Rheingegend! Nur der mildthätige Weingott vernachläßigte dieses Land, sonst alles das nämliche, besonders jenseits, wo ich wegen der Entfernung den Mangel des Details nicht gewahr werden konnte. Das Steigen der Fluth, und hernach die Menge Fahrzeuge, die mit der fallenden Fluth hinab fahren, gab der Aussicht noch etwas vorzüglich Anziehendes. Ich besahe das Ganze mit Freude, Antheil und Rührung.

6. Montags, den 23. Jul. 1783Es sind…

Montags, den 23. Jul. 1783

Es sind heute mehr als drey Wochen, daß kein Tag vergangen ist, an dem es nicht geregnet hat. Gewöhnlich regnet es nur wenig, ich bin alle Tage ausgeritten und kein einziges mal recht naß geworden. Überhaupt ist hier der Regen nicht das Beschwerlichste, wohl eher der ewige Nebel und Dunst, der beständig in der Luft ist, und dem Himmel eine graue Farbe gibt. Nein, ohne Wolken und ohne Dunst habe ich die Sonne noch keine vier bis fünf mal gesehen, seitdem ich in Irland bin; und wenn sie einmal hervorschaut, so ist sie gleich wieder umwölkt. Ein ganz blauer und entwölkter Himmel ist fast nie zu sehen,  p.24 und wenn es ja geschieht, so ist das Blaue nie so rein und glänzend, wie in der Schweiz, und vorzüglich am Genfersee.

Erinnern Sie sich, lieber Freund, wenn ich Ihnen öfters von der ganz außerordentlichen und Seelenerquickenden Klarheit dieses Horizonts, besonders im September, geschrieben habe, und fühlen Sie, wie schwer die dicke Luft und die Feuchtigkeit hier auf mir liegen muß. Da seh ich nicht mehr jenes herzerhebende Azur, welches über die ganze Gegend jene schmelzenden, wollüstigen Tinten verbreitet, über deren pompeuse Beschreibung Sie vielleicht manchmal gelacht haben, weil Beschreibungen von so etwas keinen Begriff geben können. Hier sind die Tinten kalt und etwas grau, obschon das Grün schöner hier ist, als vielleicht irgendwo in der Welt. Alles hat, wenn man es im Detail betrachtet, die Farbe eines jungen Gräsgens, das so eben, nach einem befeuchtenden Gewitterregen aus dem aufgelockerten Boden hervorkeimt. Es ist reizend und erquickend fürs Auge, aber kalt, und im Ganzen grau, so wie auch, aus eben der Ursache, die Contours hart und scharf markiert sind. Ich bin aber an sanfte, weiche, und warm in einander geschmolzene Umrisse gewöhnt, deren Anblick uns jene behagliche und liebevolle Empfindungen einflößt, die dem Herzen so wohl  p.25 thun und erwärmen, in dem er der Einbildungskraft einen hohen Schwung gibt.

Die viele Feuchtigkeit und der immer bedeckte Himmel machen das Klima dieser Insel, ohne Ausnahme zum gemäßigsten von Europa. Der Sommer ist nicht heiß, und der Winter nicht kalt. Unsere Spazierritte fallen alle in die Stunden von elf bis drey Uhr; Stunden, die man in dieser Jahreszeit auf dem festen Lande in seinem Zimmer, und oft sehr unbehaglich zubringt. Gleichwohl trage ich ein Tuchkleid, und habe, auch beym stärksten Reiten, noch nicht das geringste von der Hitze gelitten. Seidene und andere Sommerkleider kann ich nie einen ganzen Tag tragen, ohne in verschiedenen Stunden darinnen zu frieren, indem Wärme und Kälte in einem und demselben Tage zwey, drey, viermal abwechseln. Jedermann trägt deswegen Tuchkleider mit Revers, die man bald auf der Brust über einander schlägt, bald auf beyden Seiten, wie auf den Uniformen, auf ihre Knöpfe knöpft.

Diese Temperatur macht wenigstens in dem hiesigen Striche, daß keine Frucht unter freyem Himmel zur rechten Reife kommt, daher denn auch auf den Wiesen kein Obstbaum zu sehen ist. Alle Früchte, die wir hier essen, selbst die Kirschen sind an Spalieren oder ungeheuern Mauern  p.26 gezogen, die einen Garten einschliessen, der gewiß zweymal so groß als der Leipziger Markt ist. Melonen, Gurken und verschiedene andere Früchte, wachsen unter Treibbeeten; und Feigen, Trauben, Ananas etc. kommen alle aus einem großen Treibhause, wo man außer dem vielen Miste, noch öfters heitzt. Bis zu Ende des Junius brannte man in den Zimmern Caminfeuer, und in manchen Häusern läßt man es das ganze Jahr nicht ausgehen.

Nehmen Sie nun das alles zusammen und vergleichen Sie es gegen das Clima von Leipzig, unter deßen Breite ich jetzt ohngefähr lebe. Das angenehme Gefühl, das uns im Sommer eine gemäßigte Hitze einflößt, und das noch angenehmere, sich in der Kühle und im Schatten von der Hitze zu erholen und zu erquicken, ist mir hier unbekannt. Die Nächte sind ohngefähr wie die Tage, und früh Morgens ist es nicht viel kühler, als zu anderen Stunden des Tages. Eben diese Temperatur macht nun auch, daß die ganze Landschaft einem ewigen Frühlinge gleicht; da ist nichts verbranntes, nichts braunes oder gelbes im Grünen, alles ist frisch und erquickend.

Der Winter ist nicht gar viel anders! Man kennt hier keine Kuh- und Schafställe, denn alles bleibt das ganze Jahr unter freyem Himmel. Wenn der Lord von hier weggeht, nimmt er  p.27 kaum dreyßig Pferde mit in die Stadt; alle übrigen werden in einem Theile des Parks gelassen, wo sie wild und unbedeckt bis ins Frühjahr leben, da man sie denn fängt und bald wieder sanft macht. Daher, daß das Vieh immer unter freyem Himmel ist, kommt es, daß das Fleisch besser ist, als selbst in der Schweiz. Auch nährt man sich größtentheils mit Fleisch, welches, nebst dem Wein, dem Körper die nöthige Hitze gibt.

Das hiesige Clima ist, seiner Feuchtigkeit ungeachtet, keineswegs ungesund. Ich sehe besonders unter den Mannspersonen fast lauter starke, kraftvolle Körper, und nirgends hörte ich in meinem Leben weniger von Rhumatismen, schwachen Mägen, Podraga, Fiebern, u.s.w.

7. Den 3. AugustHeute war der Bischoff…

Den 3. August

Heute war der Bischoff von Waterford hier, von dem ich Ihnen doch ein paar Worte sagen muß. Er ist einer der würdigsten Prälaten dieser Insel, und auch in der gelehrten Welt bekannt. Herr Newkome {Newcome} ist ein Engländer, war Tutor of College eines vornehmen Englischen Lords, und auch eine Zeit lang des berühmten Fox, hernach College-Fellow zu Oxford. Durch Fox bekam er in Irland ein Bißthum, das er bald mit dem von Waterford vertauschte, wo er nun seit funfzehn Jahren ist, und wäre vor  p.28 etlichen Jahren Erzbischoff und Primas geworden, wenn er nicht eine starke Parthey gegen sich gehabt hätte, die alles that, um keinen Engländer zum Primas zu haben.

Er hat über die Lehrjahre Jesu geschrieben, ein Werk, das ihn zu einigen Streitschriften mit dem D. Priestley veranlaßte, die ich wirklich jezt lese. Dann schrieb er über den sittlichen Charakter Jesu, und jezt ist er mit einem Commentar über die Propheten beschäftigt. Er soll einer der besten Orientalisten in den drey Reichen sein.

Im Umgange ist er sehr ernsthaft, und man sieht es ihm an, daß er eine blos gelehrte Erziehung empfing. Ich bemerkte, daß er nie seinen linken Arm brauchte, sondern ihn beständig in der Weste hatte; und auf Nachfrage hörte ich, daß, als er Fellow zu Oxford war, einer seiner Eleven, ich weiß nicht, bey welcher Gelegenheit seine linke Hand zwischen eine Thüre klemmte, und so verwundete, daß sie abgelöst werden mußte.

Sie wollen etwas von den Genfern wissen, denen ich sehr nahe bin. Denn Waterford ist nur zwölf Meilen von hier, und ich fahre sehr gemächlich dahin, halte mich etliche Stunden dort auf, und komme wieder zurück zum Mittagsessen.

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Der Herzog von Leinster bot den Genfern zwanzig tausend Acres Landes auf seinen Gütern an. Die Genfer nahmen das Geschenk an, und nun sah der Herzog, daß er eine Übereilung begangen hatte, und nahm sein Wort unter dem Vorwand zurück, daß er unter seinen Familien-Papieren Verträge gefunden hätte, die ihm dieses Geschenk nicht erlaubten. Dieser Anlaß brachte indeß viele Genfer auf den Gedanken, sich in dieser Insel nieder zu lassen, und Lord Temple, der vorige Vicekönig legte sich ins Mittel. Der König besitzt in der Grafschaft Waterford zwölf hundert Acres Landes, welche den Genfern zu einer ganz neuen Stadt sollten angewiesen werden. Der Fleck ist wirklich abgesteckt, und überaus artig und wohlgelegen. Wenn Sie eine gute Karte von Irland haben, so gehen Sie von Waterford sechs Meilen weiter auf dem Sure hinab, so werden Sie einen Ort, Duncannon finden, welchem gerade gegen über dieser Fleck liegt. Die Gegend ist schön, und der Fluß ist dort so breit, daß man ihn als eine Bay betrachten kann

Ein Mely aus Genf kam hierher und besahe das Ganze, um seinen Landsleuten Bericht abzustatten; als er aber wieder nach Genf kam, behandelte ihn der dortige Magistrat als einen Staatsverbrecher, und setzte ihn ins Gefängnis. Sogleich schrieb der Englische Minister nach Genf  p.30 und reklamirte Mely als einen Irischen Unterthanen. In der Zeit erklärten sich die Irischen Volontairs zu Beschützern der Virtuous Genevese (des tugendhaften Genfs) und boten ihnen in allen öffentlichen Blättern ihren Beystand an. — Von allen diesen Dingen waren die Zeitungen voll, als ich vor sieben Wochen hierher kam.

Unterdessen waren die Herren de Claviere, du Roveree 5 etc. etc., die Sie aus meinen ehemaligen Briefen kennen, hierher gekommen, und sind noch jezt zu Waterford. Diese setzten die Unterhandlungen mit dem Grafen von Temple und dem Parlement von Irland fort, und erhielten das Versprechen einer Summe von funfzig tausend Pfund Sterling, welche angewendet werden sollte, theils eine eigene Stadt für sie zu erbauen, theils die Ärmern von Genf hieher zu transportiren. Es wurden fünf und zwanzig Pfund für den Transport einer Familie festgelegt.

Dies und andere Vortheile würden diese Leute erhalten haben, wenn sie sich nicht gleich als Genfer, das heißt, als Leute gezeigt hätten, deren Prätensionen ins Unendliche gehen. Stellen Sie sich vor, daß diese Leute eine Menge lächerlicher Forderungen machten, und, mit einem Worte, ohngefähr einen Statum in statu zu errichten dachten. Das tolleste aber war, daß sie verlangten, daß ihr Magistrat (ihr eigener  p.31 versteht sich) das Recht haben sollte, alle Einwohner der neuen Stadt zu Freeholders zu machen, das heißt, zu solchen Leuten, die das Recht haben, ihre Stimme zur Wahl eines Parlementsmitglieds zu geben. Nun müssen Sie wissen, lieber Freund, daß die Grafschaft Waterford nicht mehr als fünfhundert Freeholders hat. Fünfhundert Genfer also hätten der Grafschaft das Gleichgewicht gehalten; der Genfersche Magistrat hätte immer mehrere gemacht, und in kurzem hätte er das Übergewicht erhalten, und die Genfer würden bald für die ganze Grafschaft die beiden Parlementsmitglieder gemacht haben. Lord ***, ein sehr thätiger Politiker, der zu Dublin so wohl, als zu London vielen Credit, und auf die Grafschaft Waterford sehr vielen Einfluß hat, war einer von denen, die sich widersetzten, und vermuthlich am meisten beytrug, daß das ganze Ding ins Stecken gerieth, und allem Vermuthen nach aus der Sache nichts werden wird. Der Lord handelte aus Überzeugung und wahrhaftem Patriotismus; die Genfer aber betrachten ihn als ihren Feind.

Ich habe eine Menge Bemerkungen über Irland gemacht, und so unbedeutend auch viele davon seyn mögen, so möchte ich sie doch gerne einem Freunde mittheilen, wäre es auch nur, um mich mit ihm zu unterhalten. Überdies präge ich mir alles selbst besser in den Kopf, und  p.32 was einmal niedergeschrieben ist, finde ich bey Ihnen einst wieder. Für mich selbst aber vieles nieder zu schreiben, bin ich zu nachlässig, oder traue meinem Gedächtnisse zu viel. Überdies ist Irland ein Land, das man auf dem festen Lande noch gar wenig oder höchst falsch kennt, und das selbst von Engländern entsetzlich verkannt wird. Ich bin mit den Irländern, deren ich nun eine große Menge kenne, überaus zufrieden, und ich finde, daß sie im Ganzen eine sehr gute Art von Menschen sind, bey denen ein Fremder sich gewiß besser befinden wird, als bey den Engländern.

Ich denke, ich will ein Projekt ausführen, wenn ich, vielleicht in wenig Tagen, meinen hiesigen Aufenthalt wieder verlaße, und dann werd' ich hoffentlich Zeit genug haben, Ihnen eine Reihe von Briefen zu schreiben, die ich Ihnen als ein Depot für mich selbst schicken will.

8. Dublin, den 20. Aug. 1783Wenn ich…

Dublin, den 20. Aug. 1783

Wenn ich Ihnen sage, daß ich vorgestern wieder hier angekommen bin, so sage ich Ihnen nichts, als was Sie, wenn Sie dieses erhalten, schon durch einen andern Brief wissen werden. Ich thue also, als käme ich gerade von Holyhead hierher, und die Beschreibung meiner Reise mit meinen Bemerkungen, die ich Ihnen versprochen  p.33 habe, geht ihren natürlichen Gang fort, und ich datire sie von den verschiedenen Orten.

Lessing sagt irgendwo, wenn man ein Buch schreiben wolle, so solle man sich einen Gegner wählen, und dann werde der Stoff schon von selbst kommen. In Nachahmung dessen hätte ich meinen Gegner gar bald in Herrn Twiß gefunden, einem Engländer, der vor einigen Jahren eine Reise durch Irland herausgab. Ich las dieses Buch als eine Vorbereitung zu meiner Reise in dieses Land, und finde nun, daß die Irländer recht haben, wenn sie bitterlich über ihn schreyen, und seine Reisebeschreibung als das hämischste, unverschämteste Ding, das man über ein Land aushecken kann, betrachten. Was den Mann bewogen haben kann, ein ganzes Land und ein ganzes Volk, bey dem er sehr hospital empfangen wurde, so zu verkleinern, weiß ich nicht, das aber weiß ich, daß sein Werk voller Irrthümer, und seine Art, die Sachen anzusehen, sehr von der meinigen unterschieden ist.

Einige Iren haben sich auf eine sonderbare Art an diesem Manne gerochen. Sie ließen in ihre Nachttöpfe, unten auf dem Boden, eine Figur mit weit geöffnetem Munde mahlen, um, so oft sich jemand des Topfes bedient, das starke Getränke zu empfangen. Es stunden zwey Verse dabey, von denen ich mich nur noch so viel  p.34 erinnere, daß Twiß und piß sich reimten: und einen solchen Nachttopf, deren man besonders in den Wirthshäusern viele fand, nannten sie einen Twiß.

Dublin hat acht Meilen im Umfange, und nimmt, so wie London, immer zu, indem es keine Mauern hat und nichts seine Vergrößerung einschränkt. Die Zahl der Häuser wurde 1789, auf 13,500 gesetzt. Die Zahl der Einwohner läßt sich schwer bestimmen, wie denn überhaupt in den drey Reichen nichts ungewisser ist, als die Volksangaben. Die verschiedenen Berechnungen, die man von London hat, sind um nicht weniger als 200,000 unter einander verschieden, und mit Dublin ists eben so. Nie werden die Einwohner in den Städten dieser Reiche gezählt, und selbst die gewöhnlichen Listen der Gebohrnen und Gestorbenen sind nichts weniger, als genau. — Sehr vernünftige Leute haben mich versichert, daß die Bevölkerung von Dublin über 300,000 sey; andere ließen volle 100,000 nach. In manchen Büchern ist sie auf 140,000, in manchen auf 150, und in noch andern auf 160,000 gesetzt, welche letztere wohl die richtigste sein mag. — Wenn ich den Umfang eines Ortes weiß und die Gassen und Häuser ein wenig gesehen habe, gebe ich auf die Menge der Menschen Achtung, die ich in verschiedenen Gassen und Plätzen an einem gewöhnlichen Tage sehe,  p.35 und vergleiche das zusammen mit Städten, deren Umfang und Bevölkerung ich genau kenne. Hierdurch kann ich freilich keinesweges die Bevölkerung eines Ortes genau bestimmen; aber so viel kann ich doch sehen, ob die Zahl, die man mir angibt, lächerlich übertrieben ist, oder nicht. Ich habe hiervon verschiedene Erfahrungen gemacht, um so mehr, da ich immer vorzüglich nach der Bevölkerung der Städte, in denen ich bin, frage. So viel bin ich gewiß, daß in Dublin nicht unter 150,000 Seelen, und nicht über 200,000 sind, der erstern Zahl näher, als der letztern.

Ich kenne keine Stadt, die London so sehr gleicht, wie Dublin, nur daß erstere prächtiger, schöner und reinlicher ist. Die Länge, Breite und Regelmäßigkeit der Gassen, (wenigstens des größeren Theils) die Einfalt der Gebäude, die Trottoirs, die Art, wie die Boutiken von außen verziert sind; (nur neuer, glänzender, und in größerer Anzahl zu London) die Ziegelsteine, die unangestrichen sind, und deren Roth durch Zeit und Rauch rostig wird — alles das erinnert mich an London. Sie sehen also, daß ich hiermit Dublin unter die schöneren großen Städte rechne. Freilich gibt es weder hier, noch zu London, einen Platz, wie den des Victoires zu Paris und einige andere, auch nicht so viele Palläste; alles ist einfacher, aber dafür ist auch der Contrast der  p.36 äußern Pracht und des äußersten Elends, wenigstens von außen nicht so auffallend. London hat eine Menge sehr schöner Squares, aber sie sehen alle so reinlich, so niedlich und so bürgerlich aus, daß man unter Leuten seines gleichen zu seyn fühlt. Dublin hat nicht so viele Square, aber einen Platz, der an Größe schwerlich seines gleichen hat. Stephengreen ist ein Viereck in der Stadt von Grün, dessen jede Seite 1000 Schuhe lang ist. In der Mitte steht eine Ritterstatue Georgs II. Der ganze grüne, einfache Platz ist von den Straßen durch eine Mauer und eine Reihe von Bäumen abgesondert. Innerhalb der Mauer ist ringsherum ein Spaziergang mit Sand belegt, wo man am besten, an gewissen Tagen die schöne und gesittete Welt von Dublin sehen kann. Die Häuser umher entsprechen freylich nicht der Würde dieses Platzes, doch hab ich viele sehr hübsche gesehen, und das, was Twiß behauptet, ist eine Impertinenz.

Die Häuser haben hier noch häufiger als zu London einen Graben, der gegen die Gasse mit einem Geländer umgeben ist. In diesen Graben gehen die Fenster eines halb unterirdischen Stocks, in welchem die Küchen, Speise- und Vorratskammern nebst den Zimmern der Bedienten sind. Das erste eigentliche Stock der bessern Häuser ist um etliche Stufen  p.37 höher als die Gasse, und gibt beim Eingange ein sehr artiges Ansehen.

Man vermeidet hier eben so sehr als zu London (in den Häusern der Reichen versteht sich) die Küche im Hause zu haben; daher ist sie entweder in dem untersten Stock, welcher nur durch eine Seitentreppe mit dem übrigen Hause in Verbindung steht, oder in einem ganz abgesonderten Gebäude. Da man den Geruch der Küche ungerne im Hause hat, so will man natürlich noch weit weniger den des Abtritts; auch ist weder in England noch in Irland einer in dem Hause zu finden, selbst nicht einmal in den Wirthshäusern. Man entfernt ihn öfters sehr weit vom Hause und deswegen heißt er auch little house.

Die Art, die Tafel zu serviren, ist hier, bey den Vornehmen und Reichen gerade wie in England. Auf dem Tisch steht weder ein Glas, noch irgend ein Getränke; sondern auf einem Nebentische, an dem der Maitre d'Hotel (Butler) steht, befinden sich drey, vier bis fünferley Arten von Weine, zweierley Arten von Bier und Cider. Jeder fordert von einem Bedienten bald dies, bald jenes zu trinken, so wie es ihn verlangt. Speisen werden keine nach der Reihe herumgegeben, sondern jeder verlangt, was er will, und die Schüssel, die ein jeder vor sich hat, die muß er  p.38 serviren, er mag sonst im Hause bekannt seyn oder nicht. Suppe speißt man gewöhnlich nicht, weder zu Mittage noch Abends. Die Speisen sind weit einfacher, als auf dem festen Lande, aber in ihrer Art vortreflich. Die Gemüse werden gewöhnlich blos in Wasser gekocht, und ein jeder nimmt zerlassene Butter dazu nach Belieben. Wo ich noch gewesen bin, hab' ich eine vortrefliche Tafel gefunden. Man gibt gewöhnlich keine Servieten; die Tischtücher sind so lang, daß man sie auf den Schoß legen und Mund und Hände damit abwischen kann. Für jede Mahlzeit, selbst für das Frühstück, wird ein anderes gegeben.

Wenn die Frauenzimmer eine Weile beym Nachtische gesessen sind, stehen sie auf und gehen in ein anderes Zimmer; die Mannspersonen aber setzen sich an einen andern Tisch und lassen die Flasche (und das ist gewöhnlich Claret) nach der Reihe herum gehen; doch ist man dabey vollkommen frey. Der Hausherr fängt an und trinkt gewöhnlich des Königs tost, oder Gesundheit. Nachher trinkt jeder nach der Reihe die Gesundheit einer Dame, die wenigstens von einem der Gesellschaft gekannt, und keinem von der Gesellschaft verwandt seyn muß. Sündigt einer im letzten Falle, so kann der, dessen Verwandte sie ist, ihm zur Strafe einen pumper auflegen, d. h. ein ganz  p.39 volles Glas, da man gewöhnlich nur ein Viertel füllt. Dies alles geschieht ohne Geräusche und ohne das geringste Zunöthigen.

Bey vielen Protestantischen Iren ist eine gewöhnliche Gesundheit on the glorious memory of the King William, (auf das glorreiche Andenken König Wilhelms). Die Protestanten betrachten ihn als den König, dem sie ihre eigentliche, festgesetzte Constitution zu danken haben. Überhaupt steht dieser Wilhelm III. in ganz besonderem Andenken, und die Nation hat, ihm zu Ehren, nicht weit von Drogheda, wo er über den Boyne ging, und seinen Schwiegervater schlug, eine Pyramide errichtet, die die schönste und größte in der neuern Welt seyn soll. 6 Die Aufschrift findet sich im Twiß. Eben so sehr verabscheuen ihn die Catholicken, und betrachten hingegen Jacob II. wie einen Heiligen. In der That war es unter Wilhelm III. daß die Catholicken hier aller bürgerlichen Freyheiten beraubt und in den unglücklichen Zustand gesetzt wurden, aus dem das Irische Parlemente sie erst vor zwey Jahren riß. Doch davon ein andermal.

So lange als die Mannspersonen beym Weine zusammen sitzen, steht durchgehends im nämlichen Zimmer ein Nachttopf, dessen sich ein jeder bedient. — Wenn die Mannspersonen  p.40 aufstehen, gehen sie wieder zu den Damen, wo Thee und Caffee servirt wird. — Am Ende der Mahlzeit stochert man sich die Zähne, spült sich den Mund aus, putzt die Zähne mit dem Tischtuche und wäscht sich die Hände, alles am Tische und im Beyseyn der Frauenzimmer. Doch ist dies nicht nur in England und Irland gewöhnlich, sondern ich sah es auch in verschiedenen großen Häusern auf dem festen Lande.

Was mich in Irland wunderte, war, daß man über der Mahlzeit noch Gesundheiten trinkt. In England ist dies unter den Großen ziemlich abgeschafft, wiewohl ich es in den bürgerlichen Häusern fand, in denen ich zu London speißte.

9. Den 22. AugustNach einigen Tagen Regen…

Den 22. August

Nach einigen Tagen Regen fand ich entsetzlich viel Koth in der Stadt, und machte zugleich die Bemerkung, daß Polizey und Reinlichkeit in diesem Betracht besser seyn könnten. Dieses findet besonders in gewissen alten Gassen statt, die von den übrigen so sehr verschieden sind, daß man in einer andern Stadt zu seyn glaubt, worzu auch die Armuth, die sich in denselben hin und wieder zeigt, nicht wenig beyträgt.

Gegen den Koth findet man in allen Gassen eine Menge öffentliche Kutschen, die von der  p.41 Regierung numeriert sind, und deren Preiß festgesetzt ist, so wie zu London und Paris. Kurz die Hackneycoatches sind gerade das, was die Franzosen Fiakers nennen. Wenn Herr Twiß die Dubliner so abscheulich findet, so muß er die in einigen Orten Deutschlands, hauptsächlich aber die Pariser nicht gesehen haben. Über diese letztern geht nichts; Kutsche, Pferde und Fuhrmann sind über alle Beschreibung elend und unreinlich. — Auch Porte-Chaisen gibts zu Dublin in großer Menge.

Twiß hält sich sehr dabey auf, wie man in Irland die Post betrügt. Als ein Engländer sollte er doch wissen, daß in seinem Lande nichts gewöhnlicher ist als das. Die Peers so wohl als die Parlementsglieder vom Unterhause geben ihren Freunden häufig mit ihrem Namen bezeichnete Adressen, und sehr oft macht man auch, ohne weitere Umstände, ihre Namen nach. Und so geht es hier auch.

Dublin hat am Nordwestlichen Ende der Stadt einen Park, der an Größe schwerlich seines gleichen hat; man gibt ihm über sechs Meilen Umfang. Was ließe sich da nicht alles machen! Aber er gehört dem Könige, und dieser bekümmert sich weiter nicht darum, sondern überläßt das Einkommen davon dem Vicekönige, dem Staatssekretaire, den Thorhüthern  p.42 und verschiedenen andern Bedienten. Diese können einen weiteren Vortheil daraus ziehen, als daß sie Vieh darinnen weiden lassen und Damhirsche tödten, deren es eine große Menge darinne gibt. Der schönste Theil des Parks ist das Mittel, wo viel artig angelegte Waldung ist, nebst einem Garten und einer artigen, doch simplen Sommerresidenz des Viceköniges. Das hiesige Parlement ließ dieses Gebäude bauen, so wie ein anderes nahe dabey für den Sekretair. Nicht weit von diesen Gebäuden ist im Walde ein großer runder Platz, von welchem aus vier Wege nach vier entgegengesetzten Seiten gehauen sind. Mitten auf diesem Platze steht eine schöne kanelirte Säule, auf welcher ein Phönix sich in seinem Neste verbrennt. Auf dem Fußgestelle steht diese Aufschrift: “Civium oblectamento campum rudem et incultum ornari iussit Phil. Stanhope Comes de Chesterfield Prorex.” Auf der entgegengesetzten Seite: “impensis suis posuit Phil. Stanhope Comes de Chesterfield Prorex.” 7 Er ließ auch auf beyden Seiten der Hauptstrasse einige tausend Bäume pflanzen, welche eine Menge kleiner Wäldchen formiren, indem ihrer sieben oder neun beysammen stehen, alle dreyßig oder vierzig Schritte. Dieser Mann, von dem, ich weiß nicht aus welcher Schwachheit, ich immer sehr gerne spreche, war hier Vice-König  p.43 in einem der kizlichsten Zeitpunkte, als der letzte Prätendent in Schottland landete und auch in Irland alles in Gährung war. Hier übte er die Grundsätze aus, die aus seinen Briefen so bekannt sind, er wußte das Interesse des Hofes und der Nation so wohl zu besorgen, daß er sich den erstern unendlich verpflichtete, und bey der andern zugleich so beliebt machte, daß hier sein Name noch jetzt mit Freuden genannt wird. Da der Phönix-Park dem Könige gehört, hatte Carl II. {Charles II} so wenig Achtung für das Publikum, daß er ihn seiner Maitresse der Herzogin von Cleveland schenkte. Allein der Herzog von Ormond, ein Irländer, der damals Vice-König war (und von welchem ich Ihnen verschiedenes schreiben werde) weigerte sich, das Siegel unter die Schenkungsurkunde zu drücken. Als er wieder nach England kam, überhäufte ihn die Herzogin mit Vorwürfen und Schimpfworten. Der Herzog ließ sie ausreden, und sagte dann ganz gelassen zu ihr: “Madam, I hope to see you an old woman.” 8 Sie hatte Verstand genug zu fühlen, was eine Maitresse ist, wenn sie alt wird, und ließ den Herzog in Ruhe. Und die Schenkung unterblieb.

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10. Dublin, den 23 Aug.Ich habe hier…

Dublin, den 23 Aug.

Ich habe hier mehr Zeit für mich, als ich dachte, daß ich haben würde. Wir essen so späte zu Mittage, daß niemand an ein Nachtessen denkt, und so komme ich Abends zeitig auf mein Zimmer. Ich bin heute wieder den ganzen Vormittag in der Stadt umher gelaufen, und kenne nun, wie ich glaube, ihre verschiedenen Theile so ziemlich. Je mehr ich mich darinnen umsehe, je mehr erstaune ich über den äußersten Contrast. Eine Menge langer, breiter mit artigen Häusern besetzter Gassen wechseln mit andern ab, wo die Häuser und die Kleidung des Volks die äußerste Armuth und Unreinlichkeit ankündigen. Manche Gassen sind schlecht gepflastert und schwimmen in Koth. Doch sind die schönen Gassen bey weitem die mehreren.

Die öffentlichen Gebäude sind hier so schön, als ich sie irgendwo gesehen habe, und die Regierung so wohl als besondere Gesellschaften lassen es sich, seit einer gewissen Anzahl von Jahren ganz besonders angelegen seyn, der Stadt so viel als möglich Schönheit zu geben. So weiß ich mich z. E. keines edlern und schöneren Gebäudes zu erinnern, als die hiesige Börse, welche weit schöner, als die Londoner ist. Es ist eine ungeheure Kuppel, deren zwey in die Augen fallende Seiten auf einer Reihe korinthischer Säulen ruhen.

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Wenn man auf der Essex-Brücke ist, zeigt sich dieses majestätische Gebäude am Ende einer schönen Gasse. Die Brücke selbst ist ganz nach der zu Westmünster gebaut (sie ist aber nur 250 Schuh lang) und eine zweite, die Königinbrücke, gibt ihr wenig an Schönheit nach. Drey andere sind zwar steinern, aber schlecht. Der Fluß Liffey ist auf beyden Seiten mit hohen Mauern eingeschlossen. Zwar ist er an sich selbst gar unbeträchtlich, allein die Nähe des Meers schwellt ihn auf, und die Fluth steigt hier (mehr oder weniger) 10 Schuhe. Die Häuser sind nicht bis an die Ufer des Flusses gebaut, sondern die Gasse ist fast überall darzwischen. Man nennt diese Gassen längst dem Flusse hin, quay's und sie sind sehr schön, und erhalten durch die Aussicht auf den Fluß und die Schiffe, ein lebhaftes Ansehen.

Das Parlement bewilligt ohn Unterlaß Summen, mit welchen gewisse geschworene Leute ganze Gassen an sich kaufen, die Häuser niederreissen, die Gasse regelmäßig anlegen, neue Häuser bauen und an die Meistbietenden verkaufen. Mit dem daraus gelösten Gelde werden wieder andere Gassen, oder alte Häuser gekauft, und das immer so fort. Da alle diese Gebäude von Ziegel gebaut werden, so geht das überaus geschwind, und in der Zeit, daß ich zu C***  p.46 war, fand ich die eine Seite einer ganzen Gasse geändert. Ich wundere mich nicht wenig, daß dieses in einem freien Lande sich so leicht thun läßt, da man in einer Stadt, wie Straßburg, sehr bitterlich über ein fast gleiches Verfahren klagt.

Das Parlementshaus ist nicht nur das schönste Gebäude zu Dublin, sondern es ist unter Kennern als ein Meisterstück vortrefflicher Architektur bekannt. Die Vorderseite ist ein Portikus, dessen Dach auf zwanzig Ionischen Säulen ruht. Schade, daß diese Seite nur den geringsten Theil des Gebäudes darstellt. Die Hauptmasse zieht sich sehr tief zwischen andern Gebäuden hinein, und ist von außen ganz unsichtbar. Man sagt, es habe 40,000 Pf. Sterl. gekostet. Das Haus der Gemeinen versammelt sich unter einer Kuppel, die ringsherum auf Säulen ruht, hinter welchen, oben eine Gallerie ist, welche den Zuhörern, die man einläßt, einen großen Raum gewährt. Kurz, dies ist der schönste und edelste Theil des Gebäudes und dem Hause der Peers weit vorzuziehen. Was diesem letztern ein altväterisches Ansehen gibt, sind zwey ungeheure, gewirkte Tapeten, deren eine die Schlacht am Boyne, die andere, die Belagerung von Derry vorstellt. Wilhelm III. macht auf der erstern eine Hauptfigur, nebst dem Herzoge von Schomberg, wie er vom Pferde stürzt und stirbt. Ich habe  p.47 Ihnen schon weiter oben geschrieben, in welchem besondern Ansehen das Andenken dieses Wilhelms hier steht, und ich muß bey der Gelegenheit eine Bemerkung wiederholen, die ich schon mehrmals gemacht habe. Es ist sonderbar, daß viele Völker eine gewisse anhängliche Schwachheit für ihre Eroberer haben, für die sie gerade das Gegentheil empfinden sollten. So ist Wilhelm III. geehrt, weil er dieses Reich gegen den rechtmäßigen König Jacob II. eroberte. — So hat man hier, noch in neuern Zeiten, dem Richard Strongbow (Grafen von Pembrocke) Statuen und Denkmäler errichtet, weil er im zwölften Jahrhundert Irland für den Englischen König Heinrich II. eroberte. Und eben so sieht Wilhelm der Eroberer noch heut zu Tage in England in großem Ansehen.

Es ist bekannt, daß keine Nation in der Welt den Geist der öffentlichen Stiftungen, besonders der wohlthätigen, in so hohem Grade hat, wie die Engländer. Hospitäler und andere Stiftungen, die ungeheure Einkünfte besitzen, haben ihre Stiftung entweder ganz oder zum Theil irgend einer Privatperson zu danken. — Die Irländer, ob schon bey weitem nicht so reich, wie jene, haben auch eine Menge solcher Stiftungen aufzuweisen. So gibt es zu Dublin überaus viel Hospitäler für Kranke, für Invaliden, für Narren, für Kindbetterinnen etc. etc.

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Das, welches der berühmte Swift für Mondsüchtige stiftete, und wozu er 11,000 Pf. hinterlies, wird Ihnen bekannt sein. Er selbst hatte das Unglück, darinne als ein solcher zu sterben. Unter Mondsüchtigen versteht man alle Arten von Narren. Swift war ein Irländer und Dechant zu St. Patrik zu Dublin. Auffallend ist es einem Fremden, daß einer der ersten Geistlichen fast nichts als Satyren schrieb. Sein Mährchen von der Tonne, 9 das auf dem festen Lande am meisten bekannt ist, macht nicht den zwölften Theil seiner Werke aus.

Auch das Kindbetterinnen Hospital hat seinen Ursprung einer einzigen Person zu danken. Ein Wundarzt, Mosse, stiftete es. Nachher baute man eine Rotunda, nach dem Model der bekannten Londoner, zu Ranelagh, darneben, wo öffentliche Conzerte gegeben werden, von denen der Profit dem Spitale gehört. Es ist eins der schönsten Gebäude zu Dublin, und hat ganz das Ansehen eines Pallastes, mit Säulenordnung, Vorhof, etc. etc. Jede verheurathete Frau dieser Stadt hat, gegen gewisse Certifikate ihrer Armuth, das Recht, ihr Wochenbette umsonst darinnen zu halten. An dasselbe stößt ein geräumiger und überaus artiger Garten. Ich glaubte, er sey zum Gebrauche der Wöchnerinnen, erfuhr aber, daß er für die Subskribenten des Conzertes sey, die darinnen spazieren zu gehen das Recht haben.

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Er wird bisweilen illuminiert und muß dann eine vortreffliche Wirkung machen. Die Schönheit, Pracht und Geschmack, die ich in der Kapelle dieses Hospitals sahe, fiel mir sonderbar auf, weil das Innere der übrigen Kirchen, die nicht zu Hospitälern gehören, gar sehr unansehnlich ist. Es macht der Nation Ehre, daß viele dieser milden Stiftungen den Vice-König, Canzler, den Erzbischoff von Dublin und die vornehmsten Peers des Reichs zu Vorstehern haben.

Ich bin heute so viel umhergelaufen, daß ich ganz müde bin. Um die Stadt recht zu sehen, mußte ich natürlich zu Fuße gehen. Lord T** gab mir deswegen einen Mann zu, der die Stadt vollkommen kennt: und dieser Mann war aus Sanen, in den Alpen des Cantons Bern. Es ist unbeschreiblich, wie der Schweizer sich überall in der Welt herum nistet. Blos in der B** Familie hab ich schon eine ganze Menge gesehen. Der vorige Hofmeister war ein Schweizer und die Hofmeisterin der Töchter ist aus Nyon, am Genfersee; der Kellermeister ist aus Murten im Canton Bern, ein anderer Bedienter aus dem Canton Solothurn; Mylord's Friseur aus der Gegend bey Basel, und noch ein anderes Frauenzimmer gleichfalls aus Nyon.

Die Gesetze Irlands sind, so wie die Englischen, strenge und blutig. Wie ich gestern  p.50 in der Stadt umherging, stieß ich auf einmal an ein ungeheures Gebäude, dessen düstere, schreckenvolle Masse mir Schauder erregte. Ein ungeheures Viereck, ohne Fenster, fast ganz von Quadersteinen erbaut, auf jeder Ecke ein runder Thurm, ganz freistehend, und stark mit Wache besetzt — alles kündigte Newgate oder das Gefängnis an, welches erst neuerlich erbaut worden ist. Ich sahe vor einem großen Fenster desselben eine herabhängende Fallthüre. Diese wird aufgezogen, der Delinquent zum Fensterchen ausgeführt, auf die Fallthüre gestellt, und so bald er den Strick um den Hals hat, fällt sie herab. Und dieses Schauspiel gibt man, mitten in der Stadt, sehr oft. Der Diebstahl wird hier, so wie in England, noch mit dem Strange bestraft. Vergangene Woche wurde ein Knabe von vierzehn Jahren deswegen gehangen.

Die Casernen (baracks) würden, wegen des großen Umfangs der Gebäude und Regelmäßigkeit eine schöne Zierde der Stadt ausmachen, wenn sie nicht ganz an einem Ende derselben lägen. Wenn ich Ihnen sage, daß hier für 6000 Mann Platz ist, so können Sie sich einen Begriff vom Umfange dieser Gebäude machen, Sie sind durchgehends von Stein erbaut, ziemlich regelmäßig und einfach, erhalten aber eine große Würde und ein vortreflich Ansehen durch die Größe ihrer Masse. Ein Theil derselben ist ganz neu,  p.51 völlig von Quadersteinen erbaut; die Höfe werden sehr reinlich gehalten. Da diese Gebäude auf einer kleinen, luftigen Anhöhe liegen, haben sie eine schöne Aussicht auf den Meerbusen und die Berge auf dessen beiden Seiten.

England hat zwey Ritterorden; Schottland hat auch seit langer Zeit seinen eigenen; nur Irland hatte keinen. Der König konnte keinen besseren Zeitpunkt wählen, auch für dieses Land einen zu stiften, als den gegenwärtigen. Sie wissen, lieber Freund, daß seit ein paar Jahren hier alles in Gährung ist, und der Hof suchte vermuthlich viele Familien dieses Landes sich verbindlich zu machen, indem er vergangenes Jahr den Orden des Irischen Heiligen St. Patrik oder Patricius stiftete. Im Winter 1783 wurden die neuen Ritter in der Kirche des heiligen Patricius feyerlich vom Vice-Könige eingeweiht. Man kann nicht weniger als ein Graf (Earl) sein, um ihn zu erhalten. Die silbernen Strahlen des Sterns fassen einen himmelblauen Zirkel ein, in welchen die Devise mit Gold gestickt ist: “Quis separabit MDCCLXXXIII”. Innerhalb dieses Zirkels liegt auf Silber ein rothes Andreaskreuz. Die leeren Felder, welche das Kreuz läßt, sind durch ein dreyblätteriches Kraut, welches man hier St. Patrikskraut nennt, ausgefüllt; im vierten Felde ruht der Stiel dieses Blattes. Auf jedem der drey Blätter ist eine goldene Krone gestickt,  p.52 wodurch die drey Reiche angezeigt werden, auf die sich das “quis separabit” bezieht. Das Band ist hellblau und wird von der Rechten zur Linken getragen. Der Orden hat funfzehn Ritter, wovon der König Großmeister ist. Am Ende des Bandes hängt ein Ring von massivem Golde, in der Größe eines Laubthalers,  10 auf welchem abermals die Devise steht. Dieser Orden kann nicht gekauft werden, wie der Englische Bathorden, und ist also auch nicht erblich. Das eben genannte St. Patrikskraut ist nichts anders als ein dreyblätteriches Kleeblatt. Man nennt es hier so, weil dieser Heilige und Apostel von Irland die Dreyeinigkeit durch ein dreyblätteriches Kleeblatt erklärte. 11

Die Residenz des Vice-Königs, welche man gemeiniglich nur the Castle nennt, ist ein ziemlich weitläufiges Gebäude, dessen vier Seiten  p.53 einen geräumigen Hof einschliessen. Es würde verdienen bemerkt zu werden, wenn man nicht von der Residenz eines Vice-Königes mehr erwartete. Er bekommt jährlich von der Nation 16,000 Pf. Sterlinge Irisch, 12 welche ihm baar ausgezahlt werden, und welche er bekommt, wenn er auch nur ein paar Monate bleibt, welches schon öfters geschehen ist. Bleibt er hier, so kommt er mit diesem ansehnlichen Gehalte nicht aus, sondern muß von dem seinigen zusetzen. Er hat eine ansehnliche Wache zu Fuß und zu Pferde, und die Offiziers müssen ihre Reihe halten, wie beym Könige. Er heißt hier und in England nicht Vicekönig, sondern Lord Lieutenant. In der Stadt wird man ihn nicht gewahr, und in Gesellschaften spricht man so wenig von ihm, als wenn er nicht existirte. Im Hause der Peers hat er eben den Sitz, den in England der König einnimmt.

11. Dublin, Montags den 24 AugAls ich…

Dublin, Montags den 24 Aug

Als ich vor neun Wochen das erstemal hier war, und die Pracht und den guten Geschmack sahe,  p.54 mit dem einige Häuser, in denen ich war, inwendig meubliert und ausgeziert sind, so glaubte ich, daß solche Häuser hier Ausnahmen machten, weil sie reichen Herren gehören, die viel gereißt sind. Als ich aber nachher in andern Häusern bekannt wurde, und bey meinem jetzigen Hierseyn in noch mehrere kam, so wurde ich gewahr, daß Wohlstand, Bequemlichkeit, überflüssiger Raum, guter Geschmack allgemein in den Häusern herrscht; in sehr vielen ist auch mit diesem allen noch große Pracht verbunden. Ich bin noch an keinem Orte gewesen, wo man so allgemein gut logirt ist, als hier. Es versteht sich, daß ich immer nur von dem reichern und vornehmern Theile der Einwohner rede, denn andere hab' ich nicht zu sehen Gelegenheit gehabt.

Fast durchgehends find ich in den Häusern Stukkaturarbeit; die entweder alt und im Italienischen Geschmacke, oder neu, und im besten antiken Geschmacke ist. Cornischen, Frisen, Plafonds, Verzierungen an den Caminen und Thüren — alles ist Stukkaturarbeit. Die Zimmer sind durchgehends überaus groß und hoch, und so auch hier die Fenster und Scheiben.

Viele Häuser sind im Geschmacke der sogenannten Loggie di Raphael im Vatikan ausgeziert, eine gewiß höchst angenehme und geschmackvolle  p.55 Art, die seit zehn Jahren besonders in den großen Häusern sehr Mode geworden ist. Sie werden, lieber Freund, diese Raphaelischen Logen vermuthlich aus Kupferstichen kennen, (man hat eine sehr kostbare Sammlung davon) wo das Ganze etwas schwer aussieht. Durch die Ausführung im Großen aber wird es ganz ausserordentlich leicht und delikat, und die verschiedenen Farben, anstatt eckelhaft zu werden, fließen sehr sanft ineinander. Doch muß ich dabei sagen, daß man weder hier, noch auf dem festen Lande, die Raphaelischen Modelle vollkommen befolgt, sondern sie etwas leichter macht und der wahren Antike näher bringt. Die Gemälde, die dieser Stil schlechterdings erfordert, sind gewöhnlich grau in grau, und mehrentheils Copien nach den besten und bekanntesten Antiken; hin und wieder hab ich auch Copien nach der Angelika Kaufman gesehen.

Auf Marmor hält man hier sehr viel, und man hat ihn aus allen Ländern, besonders aber hab ich eine große Menge Carrarischen gesehen.

Das Holzwerk ist, wie in England, durchgehends von Mahagoni, und wird, wie die Zimmer überhaupt, sehr reinlich gehalten.

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Wo ich noch gespeißt habe, hab' ich Mannigfaltigkeit, gute Zubereitung, gute Art zu serviren und Überfluß gefunden. Durchgehends servirt man auf Silber. Torten, Eingemachtes, Gallerte und Früchte werden auf Porzellan servirt.

Daß Irland ebenso fähig ist, gute Köpfe zu erzeugen, als irgend ein anderes Land in Europa, darf ich Ihnen nicht sagen. Die Namen eines Lorenz Sterne, Goldsmiths, Brooke, Berkley, Rich. Steele, Bickerstaf, Howard, Swifts etc. sind auch denen bekannt, die weniger Kenntniß von auswärtiger Literatur haben, als Sie, lieber Freund. Ich könnte deren noch eine große Menge nennen; allein sie sind weniger auf dem festen Lande bekannt, als die angeführten, wiewohl sie gar sehr verdienten, gekannt zu sein, wie z. E. Walter Harris. Ich habe vergessen, Prior oben an zu setzen, denn er ist eben so bekannt, als er es zu sein verdient. — Demohngeachtet kann ich doch nicht sagen, daß Liebe zu den Wissenschaften in Irland allgemein sey; ich habe eine gewisse Unthätigkeit gefunden, mit der die Leute ihre Zeit lieber mit völligem Nichtsthun verschlendern, als daß sie sich durch Lektur unterhielten. Woher diese Unthätigkeit kommt, weiß ich nicht (der unheitere Himmel müßte denn dazu beitragen) so viel aber weiß ich, daß man sie der ganzen Nation ein wenig zur Last legen kann.  p.57 Dieser Unthätigkeit ist die äußerste Armuth zuzuschreiben, die sich auf dem Lande und zum Theil auch in den Städten zeigt, und die der gemeine Mann lieber erträgt, als daß er arbeitet. Doch von der Armuth der untersten Klasse ein andermal.

Swift ist hier noch immer im frischen Andenken. Daß er einer der satyrischsten Köpfe war, weiß jedermann; das aber ist weniger allgemein bekannt, daß er seiner satyrischen Laune gegen jedermann freien Lauf ließ, alle Welt auf das heilloseste, und ohne Schonung, anfiel, die Großen verachtete und erniedrigte, wo er sie fand, und das ganze menschliche Geschlecht so ziemlich als Geschöpfe behandelte, die unter seiner Würde waren: freylich lauter Eigenschaften, die für einen Pastor primarius nicht eben sehr anständig waren. Er hatte unter anderem das Besondere, daß er ein Vergnügen fand, den Leuten die härtesten Dinge ins Gesicht zu sagen, oder ihnen seine Verachtung öffentlich zu zeigen. Hier haben Sie ein paar Anekdoten, die Sie vielleicht belustigen. Ich weiß nicht, welcher Irische Peer (ich glaube der Graf von Shannon) die Devise in seinem Wappen hat: “Eques haud male notus.” Da der Herr nicht eben als ein guter Zahler bekannt war, so sagte Swift, man müsse seine Devise übersetzen: “better known  p.58 than trusted.” Ein gewisser D. Delany hatte zum Motto auf seiner Kutsche: “Nam avos et proavos et quae non fecimus ipsi, vix est nostra voco.”
Swift schrieb darunter: “By this grave motto be it known, Delany's coach is not his own.”

Die Iren, seine eigenen Landsleute, suchte er zu beschimpfen und lächerlich zu machen, so viel er konnte. Wenn er in seinem Narrenhause lucida intervalla hatte, führten ihn die Ärzte spazieren, um ihm frische Luft zu geben. Ein neugebautes Zeughaus, das Swift nie gesehen hatte, fiel ihm einmal in die Augen. Er lachte ganz entsetzlich, zog sein Taschenbuch heraus und schrieb:
“Behold! a proof of Irish sense!
Here Irish wit is seen;
 p.59 When nothing left, that's worth defense,
We build a magazine.”
Er fuhr fort zu lachen und sagte: “After the steed is stolen, shut the stable door”: und seitdem soll er nie mehr ein vernünftiges Wort geredet haben. Die einzige Person, für die der Mann vielleicht wahre Hochachtung hatte, war die bekannte Stella.

So viele berühmte Schriftsteller die Iren aufzuweisen haben, so wenig haben sie Künstler. Zwar weiß ich jetzt die Namen verschiedener, die Verdienste haben; aber es ist keiner darunter, dessen Namen ich jemals nennen hörte, ehe ich auf die Insel kam. Statuen, Gemälde und andere Kunstwerke, die man in der Stadt Dublin und in den Häusern der Großen sieht, sind fast durchgehends von Ausländern. Auch hält man hier zu  p.60 Lande noch viel aufs Anstreichen. So besah ich z. E. vor drey Monaten eine große steinerne Statue Wilhelms III. zu Pferde, die nicht weit vom Parlamentshause steht; und als ich jetzt wiederkam, hatte man sie ganz neu mit Strohfarbe beschmiert.

Das zusammen genommen, hab ich mich nicht wenig gewundert, so viele größere und kleinere Gemäldesammlungen zu finden, und ich bewunderte, auch bey dieser Gelegenheit die Unverschämtheit, mit der Twiß von allem spricht. Nachdem er etliche Gemäldesammlungen genannt hat, sagt er, daß auf der ganzen Insel keine andern wären. Ob ich schon nur einen kleinen Strich von Irland gesehen, so könnte ich doch noch manche nennen, in denen Stücke von Werth sind, deren auch Lord T** zu Dublin so wohl, als zu C*** verschiedene hat. Auf dem Schlosse zu Kilkenny sind einige von ausserordentlicher Schönheit; aber hiervon zu seiner Zeit. Der Stücke Italienischer großer Meister gibts wenige, das ist wahr; die besten und mehresten, die ich gesehen habe, waren aus der Flämischen Schule, oder besser, Niederländischen. Dies ist nun zwar der Fall fast überall, ausserhalb Italien, aber hier mehr, als irgend sonst wo.

 p.61

Ich besuchte zu Dublin einen Architekten, einen gebohrnen Iren, der nie auf dem festen Lande gewesen ist, und der doch sehr gut zeichnet, und der einige vortreffliche Gebäude zu Dublin aufgeführt hat. Das schönste aber wird das neue Custom-house (Zollhaus) sein, das vor zwey Jahren angefangen worden ist, und das eins der schönsten Gebäude werden wird, die irgendwo existiren. Es nimmt, so weit als ich es fertig gesehen, einen ungeheuren Platz ein; ich glaube, seine Länge ist über 300 Fuß. Ich sahe, beym Baumeister, ein Modell vom ganzen Gebäude von Holz; es ist in Ionischer Ordnung, und oben darauf kommt eine majestätische Kuppel, die von korinthischen Säulen getragen wird. Die Vorderseite wird ganz von Portlandsteinen erbaut.

Ich machte, bey der Gelegenheit, eine Bemerkung, die ich schon in England gemacht habe. Es ist unbegreiflich, wie eine so kleine Insel, als Portland ist, die ungeheure Steinmasse hat liefern können, die man nur blos in England sieht. Die ganze St. Paulus-Kirche, die Westmünster-Brücke und unzählige andere Gebäude in England, sind, so  p.62 wie die Essex-Brücke zu Dublin, von Portlandstein. Es ist ein Grau, das mehr ins Weisse fällt, als ins Gelbe. Der Stein ist hart, und läßt sich doch sehr gut hauen.

Ich habe Ihnen schon mehr von Gebäuden in Dublin erzählt, als Sie vielleicht zu lesen Lust haben; nur von den Kirchen hab ich Ihnen nichts gesagt. Die Ursache ist, daß sie sich sehr wenig auszeichnen, einige wenige ausgenommen. Die beiden Hauptkirchen sind ein Paar alte, düstere, geschmacklose Gebäude, die nichts von den Gothischen Schönheiten haben, die man öfters an solchen Gebäuden findet. Doch sind einige Monumente darinne, als z. B. des Dichters Th. Prior und des Grafen von Pembrocke (besser bekannt unter dem Namen Richard Strongbow, den er bekam, weil er vortrefflich mit der Armbrust schoß). Sonderbar ist es, daß ihm dieses Denkmal erst 1570, volle vierhundert Jahre nach seinem Tode errichtet ward. Einige andere werden Sie wenig interessiren, wie denn überhaupt solche Sachen sich besser sehen, als in einer Beschreibung lesen lassen. Auch Swifts Stella hat ein Denkmal. Was den Kirchen zu Dublin fast durchgehends fehlt, sind Thürme; die ganze Stadt hat keinen einzigen hohen oder vorzüglich ansehnlichen aufzuweisen. Das Innere der Kirchen ist mehr als einfach; die allermehresten sind nicht nur ohne  p.63 Zierrathen, sondern es herrscht auch darinne eine gewisse traurige Leere.

Hier sind vier Prediger für zwei französische Kirchen, die eine ist eine eigentlich reformirte, die andere eine anglikanische. Ich habe zwey dieser Prediger kennen gelernt, wovon der eine ein liebenswürdiger Wadtländer, der andere ein düsterer Holländer ist.

Es ist hier eine Universität, ohngefähr nach Englischem Schnitt, in der diejenigen, die nicht Kosten genug anwenden wollen, oder können, eine Englische Universität zu besuchen, ihre Studien vollkommen enden können. Der Unterricht wird hier nicht, wie auf den deutschen Universitäten, in einer Menge zerstreut liegenden Häusern gegeben, sondern alles ist an einem Orte beysammen. Twiß sagt ganz kurz davon: Die Universität hat ein einziges, der Dreyeinigkeit gewidmetes Collegium. Darinne hat er ganz recht: aber er sagt nicht, daß dies Collegium aus vier ungeheuren Höfen besteht, die alle zusammen rings herum mit Gebäuden umgeben sind. Er sagt ferner, das Gebäude sey vier Stocke hoch und habe drey und zwanzig Fenster an der Vorderseite. Auch dieses ist wahr: es ist ein schönes Gebäude, in Korinthischer Ordnung, ganz von gehauenen Steinen; aber es ist blos der Eingang ins Collegium, und macht  p.64 von den übrigen Gebäuden vielleicht kaum den fünfzehnten Teil aus. Eine Kirche, öffentliche Bibliothek, Anatomie, die verschiedenen Hörsäle, Buchdruckerey, und die Wohnungen für die Lehrer und eine große Menge der Studenten, alles ist hier beysammen.

Der Vorsteher dieses Collegiums heißt Provost (Probst:) und hat einen ansehnlichen Rang. Er hat ein besonderes Haus, neben der Vorderseite des Collegiums, dessen schöne Architektur, Säulen und Pilaster ihm eher das Ansehen eines kleinen Pallastes geben, als des Hauses eines Schul-Monarchen.

Ein Park hinter dem Collegium machte mir viel Vergnügen, und ich brachte, an einem erträglichen schönen Morgen, eine kleine Stunde sehr angenehm darinnen zu. Zwar ist es nichts anders als ein grüner Platz; allein seine Größe, das liebliche Grün, die vielen alten und hohen Bäume, mehrentheils majestätische Ulmen, und der Gedanke, das alles in einer Stadt zu sehen, machte mir den Spaziergang überaus lieblich.

12. Dublin, den 24 Aug.Wenn ich immer…

Dublin, den 24 Aug.

Wenn ich immer in dieser Stadt leben müßte, so würde eine meiner größten und angenehmsten Unterhaltungen seyn, des Morgens längst  p.65 dem Liffey hin und am Hafen spazieren zu gehen, besonders wenn die Fluth hoch ist. Sie können sich nichts Interessanteres denken, lieber Freund, besonders wenn das Wetter heiter genug ist, daß Sie weit in den Meerbusen hinein sehen können. Der Anblick des Meeres, und der Berge, die die Bay auf beiden Seiten einschließen, hat, nebst etlichen hundert Schiffen, die Sie, näher und ferner, immer da sehen können, etwas, das einem das Herz erweitert und das sich nicht wohl beschreiben läßt. Von der Liffey-Brücke an ist der Liffey manchmal so bedeckt, daß man von einem Schiffe auf das andere schreiten und gleichsam wie über eine Brücke gehen könnte. Das Gewühl der Menschen darauf, die theils auf den Schiffen ihr Wesen treiben, theils in unzähligen Booten zwischen den Schiffen, wo oft nicht der geringste Platz zu seyn scheint, sich künstlich durchschlängeln; der Anblick der Masten, die einem Walde gleichen, bald mit gespannten, halb gestrichenen Segeln; das Wehen der Englischen, Französischen, Spanischen, Holländischen, Nordischen Flaggen; die Mannigfaltigkeit der Schiffe, an Form, Gestalt, Größe mit zehn, funfzehn, zwanzig und mehrern, aber ohne Kanonen; das Kommen der einen, und Abgehen der andern, die Geschäftigkeit dieser, welche aufladen, und jener, welche abladen; die Mannigfaltigkeit der Figuren, Trachten, Sprachen  p.66 und hundert andere Dinge, würden mich oft viele Stunden nach einander beschäftigen. Ich gehe langsam den Fluß hinab, der immer breiter und breiter wird, und sich zuletzt in den Meerbusen verliert. Hier ist nun der Anblick größer und erhabener, und die Schiffe, die vorher einen langsamen und gezwungenen Gang hatten, erscheinen in ihrer ganzen Majestät, und nehmen, von allem Zwange entledigt, einen freien, schnellen und edeln Lauf.

Lieber Freund! Es ist ein imposantes Ding um ein großes Schiff, das mit vollen Segeln dahin fährt. Gestossen und geschlagen von Wellen, geht es ruhig in majestätischer Größe, ein schwimmender Pallast, seinen Weg, läßt die Häuser zurück, die neben ihm klein scheinen, und spaltet die unwillige, widerstrebende Welle.

Gewisse Ladungen von ganz schlechten und geringen Sachen sind mir besonders aufgefallen, z. B. wenn ich Schiffe sahe, die nichts als Holz aus Norden brachten, oder Kohlen, oder Sand aus England, oder Steine aus Portland und Bath.

Ich muß Ihnen hier ein Paar Worte von einem Werke sagen, das, wie man mich versichert, seines gleichen nicht hat: es ist ein hoher Damm, der vom Ufer weg drey volle Meilen weit  p.67 in die Bay hinaus geht, wo er sich mit einem großen, sehr schönen Leuchtthurme, von weissen Steinen endet. Dieser Wall ist so breit, daß, ausser dem Wege für die Fußgänger, zwey Kutschen einander ausweichen können. Durch diesen Wall wird die Einfahrt in den Hafen nicht nur sicherer, sondern er gibt auch die Bequemlichkeit (er ist aber noch nicht vollkommen fertig) daß die Reisenden in der Nähe des Leuchtthurms sich ans Land setzen, und in einer Kutsche in die Stadt fahren können. Auf dem Vorgebirge Howth steht ein anderer Thurm: beide haben in der Nacht ein starkes Feuer und geben einen schönen Anblick.

13. C***, den 28 Aug.Ich kam, wie…

C***, den 28 Aug.

Ich kam, wie Sie wissen, am Ende des Juny an diesem Orte an, und will nun von da aus meine weitern Bemerkungen datiren, indem ich mich bisweilen an einige andere Orte, die ich besucht habe, versetzen will. Auf dem ganzen Wege von 110 Englischen Meilen hierher ist, Kilkenny ausgenommen, kein einziger beträchtlicher Ort. (Ich fahre fort, beständig nach Englischen Meilen zu zählen, denn die Irischen sind verschieden. Man sagt, vierzehn Englische machen gerade elf Irische Meilen.) Wir kamen den ersten Tag über Neat 13, Timolin, Castletown,  p.68 lauter Städte, die kaum diesen Namen verdienen, nach Carlow, die Hauptstadt der Grafschaft. Diese Stadt ist besser als die übrigen; doch kann ich ihr keinen höhern Rang anweisen, als unter unsern Sächsischen Städten der dritten Classe. Dann kamen wir über Lochlein-Bridge, einer kleinen Stadt, nach Kilkenny, wo sich die Scene in jeder Betrachtung ändert, denn die Stadt sowohl, als die ganze Gegend umher hat überaus viel Anziehendes. Doch da ich nachher wieder dahin gekommen bin, und mich länger da aufgehalten habe, so soll diese Stadt gelegentlich einen eigenen Artikel haben.

Wir kamen endlich in die Gegend von Carrick, und sahen ein schönes, bergichtes Land, in welchem der Fluß Sure {Suir} sich hin und wieder silberwallend im Grün zeigte. Man nennt diese Stadt Carrick on Sure {Carrick-on-Suir}, zum Unterschiede einer andern, gleichen Namens, welche an dem Shannon liegt, dem größten Irischen Flusse. Die Stadt ist klein, aber ausserordentlich bevölkert, und merkwürdig durch eine große Menge Ratine und anderer wollener Stoffe, die da gemacht werden, und wodurch sich die Stadt von dem übrigen, unthätigen Theile dieses Strichs Landes rühmlich auszeichnet. Eine ansehnliche steinerne Brücke leitet über den Fluß auf eine Anhöhe, von welcher herab ich eine reizende Aussicht hatte, die ich oft nachher auf meinen  p.69 Spazierritten wieder genossen habe. Die Stadt, die vom Ufer des Flusses weg sich ein wenig längst den Hügel hinan zieht, scheint größer als sie ist, und man sieht den artig in die Augen fallenden Gebäuden nicht an, daß sie enge und unreinlich zusammen stehen.

In dem einen Ende der Stadt zeigen sich am Ufer des Flusses, die ehrwürdigen, mit Epheu verwachsenen Trümmer eines großen Schlosses, das Richard Strongbow erbaute, und das, fast sechshundert Jahre nachher, Cromwell zerstörte. Das, was noch ganz davon steht, ist noch immer zur Wohnung einer Familie genug, die es jetzt besitzt. — Einen andern weit größeren Überrest einer ehemaligen Abtey sieht man nahe bey der Brücke; ein schöner Gothischer Überrest, der auf einem grünen Hügel steht, und der auch Cromwellen, diesem geschwornen Feinde der Katholiken, der Pfaffen und der königlichen Macht, seine Vernichtung schuldig ist. Ich fand diese Trümmer so schön, daß ich nachher verschiedene Male ansetzte, sie zu zeichnen; fand aber nie Zeit genug dazu.

Den Fluß sieht man etliche Meilen weit in seinem Laufe nach Waterford; das angenehme Grün, das man in die weite Ferne sieht, erlaubt dem Auge nicht zu bemerken, daß diese schöne und fruchtbare Gegend so wenig angebaut ist.

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Auch vergißt man anfangs, daß, einige schöne Landhäuser ausgenommen, welche mit elenden, zerstreuten Hütten contrastiren, in der ganzen weiten Gegend, die man von der Anhöhe überschaut, fast kein Dorf zu sehen ist, und daß die Spitzen der Berge alle ohne Waldung sind.

Ich bin mit Fleiß etwas weitläufig in dieser Beschreibung gewesen, denn ohngefähr so wie diese Gegend, hab' ich nachher die ganze Grafschaft Waterford und den größten Theil verschiedener andern gefunden. Überall ein schönes, fruchtbares, aber schlecht angebautes Land; überall Trümmer von Kirchen, Abteyen und Klöstern; überall kostbare Gebäude und schöne Parke, neben den elendesten Hütten, die ich je gesehen habe, fast nirgends Dörfer, und unter dem Landvolke die schmählichste Armuth.

Nach einer Stunde langte ich zu C*** an. — Von Dublin bis hierher sind ohngefähr 110 Meilen; ich habe also einen ansehnlichen Strich dieses Reiches durchwandert, und will nun etwas vom ganzen Wege sagen.

Dieser ganze Weg geht, einige unbeträchtliche Hügel ausgenommen, durch eine ungeheure Ebene, die aber, in einer ansehnlichen Ferne, rechts und links, oder gegen Morgen und Abend von Bergen begränzt ist. Es zieht sich also eine  p.71 lange Bergkette so wohl mitten durch diese Insel, als längst den St. Georgen-Canal hin. In diesen Bergen werden unzählige Schaafe ernährt, deren Wolle, wie die Iren behaupten, besser ist, als die Englische. Bis hierher haben aber die Iren sehr wenig Vortheil aus dieser Wolle gezogen; denn der größte Theil geht roh nach England, wo die berühmten wollenen Zeuge gemacht werden, die man in allen Welttheilen trägt; und der Überrest durch Schleichhandel nach Frankreich, theils auch in andere Länder. Die Schaafe sind in Irland, so wie in England, fetter, schmackhafter und gar viel größer, als irgendwo auf dem festen Lande, das ich weiß, selbst die großen Schöpse in den Alpen nicht ausgenommen. Die Rindviehzucht ist auch beträchtlich, und ich kann diese Stunde noch nicht begreifen, warum das Fleisch davon besser ist, als in den Alpen, wo das Vieh bessere Kräuter findet, als sonst wo. Die Englische Zubereitung der sogenannten Rosbeefs mag freilich viel darzu beytragen. Milch, Sahne und Butter sind gleichfalls vortrefflich. Doch kommen die Käse den englischen und Schweizerischen nicht bey, weil sie wenig ausgeführt, und also nicht mit Sorgfalt zubereitet werden. In Häusern, die selbst welche machen, hab' ich vortreffliche gefunden.

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Kaum ist man am Ende der Stadt Dublin, so zeigen sich auch schon die elenden Leimhütten {Lehmhütten}, die fast von allen Irischen Städten den äussersten Theil einnehmen. Da ist nichts, das eine große Stadt ankündigt, in der so viele Eleganz und Reichthum ist, nichts von den kleinen Gärten und Landhäusern, die man gewöhnlich in der Nähe beträchtlicher Städte findet. Die Großen entfernen ihre Landsitze von der Stadt, und die niederen Stände sind zu arm, um etwas ausser der Stadt zu ihrem Vergnügen zu haben. — Sie werden erstaunen, wenn ich Ihnen sage, daß ich auf einer Strecke von 110 Meilen kein einziges erträgliches Dorf gesehen habe; und gleichwohl ist es so. Schon in England merkte ich an, daß man fast keine Dörfer sieht, und gab die Ursache an; hier kommt zu dieser nämlichen Ursache noch eine zweite, die große Armuth des gemeinen Volks, welche keine eigene Güter besitzen, sondern von den Großen, oder überhaupt von den Güterbesitzern (Lords of the Manor) ein Stück Landes auf zwanzig, dreyßig bis hundert Jahre pachten, das Land, aus Faulheit, schlecht anbauen und mit der elenden Hütte sich begnügen, die auf diesem Stücke Landes stehet. (Von diesen Hütten, die fast alle sich gleichen, sollen Sie nächstens eine Beschreibung haben, die Sie unglaublich finden  p.73 werden.) Die reichen Pächter wohnen ebenfalls gerne auf den Gütern; die Güterbesitzer wohnen mitten in ihrem Parke: und so bleiben natürlich sehr wenig Leute übrig, die in den Dörfern zusammen wohnen können; und daher kommts denn, daß man nicht nur keine ansehnlichen, sondern fast gar keine sieht. — Daß die Städte, durch die ich reißte, so geringe sind, kommt vom Mangel der Fabriken und Manufakturen. Im nördlichen Irland, wo die bekannten und wichtigen Linnenmanufakturen sind, ist das anders.

Woher mag es doch kommen, lieber Freund, daß die gesegnetsten Länder die ärmsten und unangebautesten sind? Daß der Mensch sich gern der Faulheit überläßt, wenn der Boden ohne sein Zuthun trägt, ist ausgemacht; aber daß der Mensch lieber in einer eckelhaften Armuth schmachtet, als den guten Boden bearbeitet, ist mir unbegreiflich. Irland gehört gewiß unter die herrlichsten Länder Europas, wenigstens der größte Theil der Insel. Das Land ist überaus fett, und treibt mit einer Üppigkeit, die ich nirgends gesehen habe. Das Clima ist ausserordentlich mild, und fast alle Arten natürlicher Produkte kommen darinnen fort, wenn nur die Leute bauen wollten. Die Sümpfe und Moräste, um deretwillen Irland so verschrien ist, sind weder so gefährlich noch so beschwerlich, als  p.74 man vorgibt. Auch sind sie nicht so gemein, als man sagt, und an manchen Orten gewähren sie eine gute Viehzucht.

Das Land ist von einer Menge Flüsse durchwässert, und wenn der Canal, der den Liffey mit dem Shannon verbinden soll, fertig ist, so ist das Land vielfach mit dem Meere verbunden, und kann durchaus durchschifft werden. Der Barrow trägt Barken bis Carlow, und da er in den Sure (Sewre oder Siure) {Suir} fällt, ist er mit dem Meere verbunden. Selbst drey Flüsse zusammen machen bey Waterford die breite Mündung und den guten und tiefen Hafen, der nach Dublin und Cork der ansehnlichste ist.

Ich erstaunte, auf dem ganzen Wege, so viele Trümmer von Kirchen, Klöstern und ungeheuren Abteyen zu finden, die unter der Königin Elisabeth, Cromwell und Wilhelm III. und überhaupt in den Irischen Revolutionen zerstört worden sind. Durch eben diese Revolutionen ist das Land immer entvölkert worden, indem allemal eine Menge Familien auswanderten.

Ich bin auf meiner Reise und Rückreise in sieben Wirthshäusern gewesen, und überall hab ich wohlgekleidete Leute, reinliche Bedienung  p.75 und Zimmer, gute Betten, papierne Tapeten, eine artige, gut bereitete Tafel, öfters marmorne Camine, und silbernes, porcelanenes, oder englischirdenes Tafel- und Theezeug gefunden. — Die Weine sind in den Wirthshäusern eher besser, als die Englischen. — Die Postpferde sind nicht so gut: sie sind auf dem nämlichen Fuß, wie in England zu haben: doch findet man sie noch bey weitem nicht im ganzen Reiche.

Die Straßen sind fast durchgehends gut. Bettler finden sich an den Posthäusern Schaarenweiß ein. — Überall, so wie auch hier um C*** herum sah ich auf den Straßen Weiber, die Tabak rauchten, und das mehr als Männer. Kurz das Rauchen ist unter dem Pöbel, besonders unter dem weiblichen Theile, so gemein, als es unter den Leuten vom Stande verschrien ist. Unter diesen letztern ist auch das Schnupfen äusserst selten.

14. C***, den 29 AugustDa ich in…

C***, den 29 August

Da ich in meinen Nachrichten über Irland eine gewisse Ordnung weder beobachten kann, noch will, so schreibe ich Ihnen jedesmal wie mir gerade die Gegenstände einfallen. heute will ich Sie mit der letzten Revolution in Irland unterhalten. Diese Revolution, welche die Protestantische Thronfolge in den drey Reichen sicherte,  p.76 ist Ihnen zwar genugsam aus der Geschichte bekannt; allein ich will Ihnen Folgen davon in Irland zeigen, über die Sie erstaunen werden, und die mich mehr als einmal innigst betrübt haben.

Sie wissen, daß das Kriegstheater, nach der Landung des Prinzen von Oranien, nicht lange mehr in England blieb. Jakob II. der sehr wenig persönlichen Muth hatte, wovon sein Schwiegersohn gar sehr viel besaß, floh bald nach Irland, wo er wußte, daß die Katholiken, die bey weitem den größten Theil der Nation ausmachten, und die sich seit Cromwells Zeiten, ja schon seit der Elisabeth her, nie gar wohl befunden hatten, eifrig seine Parthey unterstützen würden. Wilhelm III. folgte ihm, und schlug ihn in der bekannten Schlacht am Boyne. Jakob verlohr allen Muth, erhielt sich, mit genauer Not {mit knapper Not}, noch einige Zeit zu Waterford, schiffte sich dann nach Frankreich ein, um nie seine Reiche wieder zu sehen. Man spricht noch heutzutage schimpflich von seiner Furchtsamkeit, mit der er eine so starke Parthey, die ihn unterstützte, aufgab. Wilhelm ward nun bald Herr von Irland, und eilte, so viel er konnte, zu einer neuen und festen Gesetzgebung. Das Haus der Lords war sehr zu seinem Dienste; das Haus der Gemeinen folgte, und Wilhelm war nun Herr im irischen Parlemente. Er zog einen ungeheuren Theil der Güter  p.77 ein, die den Katholiken gehört hatten, verschenkte viele davon und machte sich Freunde dadurch: und nun entwarf er, vereint mit dem Parlemente, die Gesetze, die mir zum Theil so barbarisch scheinen, die die härteste Intoleranz athmen, und wodurch die Katholiken auf die elendeste Art unterdrückt wurden. Dies ist die Ursache, warum die Protestantischen Iren diesen König vorzüglich als den Stifter ihrer Constitution betrachten, und warum noch heut zu Tage in manchen Häusern on the glorious memory of the King William and the Queen Mary einer der gewöhnlichsten Toste ist.

Die Statute, die damals festgesetzt wurden, werden Ihnen im Ganzen bekannt seyn; aber das wissen Sie vielleicht nicht, daß Gesetze darunter waren, in denen die Papisten auf eine himmelschreiende Art behandelt wurden. Es wurden ihnen bürgerliche Freiheiten genommen, die man keinem Fremden versagt; sie wurden in unzählichen Fällen eingeschränkt, und wie eine andere Gattung von Menschen behandelt. Kein katholischer Peer darf im Hause der Lords erscheinen; kein Katholik darf für das Unterhaus gewählt werden; keiner kann irgend ein öffentliches  p.78 Amt bekommen. Dies ist in England ziemlich auch so: doch ist der Fall nicht der nämliche. Ein Irischer Papist kann gar nichts werden, nicht einmal Fähndrich bey der Armee. Und gleichwohl waren die Katholiken bey weitem der zahlreichste Theil der Nation. Unter andern unedlen, harten Gesetzen war auch dieses: daß kein Papist ein Pferd haben durfte, das mehr als zehn Pfund oder Guineen werth war. (Man wollte sie dadurch verhindern, gute Pferde für den Krieg zu ziehen.) Hielt einer ein Pferd, das mehr werth war, so durfte ein Protestant es nur schätzen lassen: fand sich's, daß es mehr werth war, so gab ihm der Protestant zehn Pfund und nahm ihm das Pferd. Leute von Stande betrachteten zwar eine solche Handlung als infam; allein es fanden sich doch Niederträchtige, die noch spät Gebrauch davon machten.

Ich bin hierinnen etwas weitläufig gewesen, weil dieses Sie zu einem Aufschluß über die Nation überhaupt, und dann über die letzten Transaktionen vor zwey und drey Jahren, führen wird.

Der Königin Anna war so wenig daran gelegen, als dem Hause Hannover, den katholischen Iren abzuhelfen, weil man sie natürlich als ewige Feinde der Protestantischen Thronfolge  p.79 betrachtete. Indessen fühlten sich viele durch ihre traurige Lage zu sehr gedrückt, und gingen zur anglikanischen Kirche über. Bald trat ein katholischer Peer über, um im Hause der Lords seinen Platz einzunehmen. Bald ein anderer, weil er Hoffnung hatte, einen Theil seiner verlornen Besitzungen wieder zu erhalten. Hier ward ein Katholik Protestant, weil er Hoffnung hatte, von einer Grafschaft zum Mitglied ins Unterhaus gewählt zu werden; dort, weil er Freunde hatte, die ihm ein Amt verschaffen konnten. Auch die reichen, geistlichen Pfründen waren eine Lockung. Auf diese Art nahm der reiche, bessere und aufgeklärtere Theil der Katholiken allmählig ab; indessen der andere immer tiefer und immer tiefer fiel, und an vielen Orten zugleich in Wildheit und Barbarei versank. Der Gottesdienst wurde an den mehresten Orten in elenden Leimhütten, mit Stroh gedeckt, gehalten, und wohlhabende Katholiken liessen ihre Söhne nicht Theologie studieren, weil das Volk zu arm war, um seine Lehrer und Prediger ordentlich zu bezahlen. Im Lande konnten sie nicht studieren, und da die jungen Theologen und Schullehrer oft zu arm waren, um nach Frankreich zu gehen, so kann man leicht begreifen, was das für Aufklärer des Volks waren.

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Diesen Umständen ist es zuzuschreiben, warum in manchen Büchern den Iren überhaupt Unwissenheit, Wildheit und Mangel an Aufklärung vorgeworfen wird. Dieser Vorwurf trifft hauptsächlich die Provinz Connaught, wo die Papisten am wenigsten mit den Protestanten gemischt sind, und wo es in der That hin und wieder sehr finster und traurig aussehen soll. Diese Provinz ist am weitesten gegen Abend entlegen, hat, wegen Mangel der Industrie und Handlung mit den übrigen am wenigsten Verbindung, und kann, besonders wenn ich den südlichen Theil davon wegnehme, kaum eine Stadt aufweisen, die genannt zu werden verdient.

Auf diese Art entstunden in Irland so zu sagen zwey Nationen, deren die eine immer ansehnlicher ward, sich immer mehr und mehr aufklärte, mit dem übrigen Europa und besonders mit England in Verbindung stand, indessen die andere immer abnahm. Und obschon die Katholiken noch jezt den zahlreichern Theil der Nation ausmachen, so sind sie doch bey weitem der schwächere. Hier haben Sie eine Berechnung, die im Jahre 1776 gemacht wurde, und die neuer ist, als die, die sich in Guthrie14 und andern Büchern findet.

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{Provinz}ProtestantenKatholiken
Connaught28,522344,294
Leinster197,670553,413
Munster77,915495,164
Ulster377,978278,607
{Gesamt}682,0851,671,478

Noch immer gibt es, ungeachtet alles dessen, was ich gesagt habe, große, sehr ansehnliche und wackere Familien unter den Katholiken; allein sie stehen in keinem Verhältnisse gegen die Menge. Wenn ich nicht gewußt hätte, daß Katholiken in Irland sind, so würde ich zuverlässig die ganze Insel für Protestantisch gehalten haben. Glauben Sie wohl, daß unter der großen Menge Menschen, die ich in Irland kennen gelernt habe, ich mich nur zwoer Familien erinnere, die katholisch sind. Mönche gibts keine hier, denn wer sollte sie ernähren? Alles, was sie ehemals hatten, und sie hatten sehr viel, ist genommen worden.

Der Hof zu St. James muß natürlich diese Veränderung in der Lage Irlands schon längst bemerkt haben, und so sehr ihm ehemals daran lag, die katholische Parthey zu schwächen, so wenig kann es vortheilhaft für ihn sein, wenn die Protestantische zu stark wird. So lange beide  p.82 Partheyen ohngefähr gleich stark und gegen einander gespannt waren, so konnte der Hof, wenn ein Aufstand hätte vorfallen sollen, eine von den beiden immer gewinnen. Ich fürchte nur, das Gleichgewicht ist schon zu sehr aufgehoben, und die Protestanten sind bey weitem die mächtigsten. Dem sey nun wie ihm will, so viel ist gewiß, daß der Hof sich sehr leicht die Abänderungen gefallen ließ, die das Parlement vor zwey und drey Jahren zum Besten der Katholiken vornahm. Sie werden davon in den Zeitungen gelesen haben; und also habe ich weiter nichts davon zu sagen, als daß das Parlement die Papisten in einen großen Theil der bürgerlichen Freiheiten und Rechte eingesetzt hat, die sie vor Wilhelm III. hatten. Verschiedene Männer hatten schon lange vorher öfters, im Parlemente, über die Schändlichkeit der Unterdrückung gesprochen, unter welcher die Katholiken seufzten; verschiedene der Großen arbeiteten oft daran: allein sie konnten nie durchdringen bis vor drey Jahren, da jedermann auf einmal von einem Geiste der Großmuth belebt zu sein schien. Im Grunde glaube ich, trug noch ein anderer Umstand sehr viel dazu bey, über den Sie nächstens ein langes Kapitel haben sollen: es ist die Errichtung der sogenannten Volunteers in Irland.

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15. Waterford, den 31 Aug.Ich glaube, lieber…

Waterford, den 31 Aug.

Ich glaube, lieber Freund, wir haben so viel Politik mit einander verhandelt, daß Sie froh sind, die Scene zu ändern. Der Weg von C*** hierher ist sehr bergicht, und durch Mannigfaltigkeit, weite Aussicht und den Fluß Sure, den man die mehreste Zeit zur Seite hat, überaus angenehm. Wir waren eben in eine Art Gasse gefahren, deren beide Seiten mit Leim- und Strohhütten besetzt waren, als mir Lord T** sagte, wir wären in Waterford. Ich hatte schon einen Ausruf von Verwunderung auf der Zunge, als mir einfiel, daß ich mehrere Irische Städte gesehen, deren äusserster Umfang aus solchen Hütten besteht, welche von Gerbern, Fleischern und andern unreinen Handwerkern, und dann auch von armen Tagelöhnern bewohnt werden. Wir kamen bald in bessere Gassen, und ich sahe Häuser, die Reinlichkeit, Wohlstand und zum Theil auch Reichthum verriethen. Die Stadt hat an einigen Orten Festungswerke und ist von großem Umfange; allein die mehresten Gassen sind enge, unregelmäßig und ein wenig bergicht. Man sieht es ihr an, daß sie eine alte Stadt ist, die nicht, wie Dublin, nach und nach verschönert und nach einem gewissen Plan verändert worden ist. Sie existirte schon im neunten Jahrhunderte, und war, als Rich.  p.84 Strongbow hier landete 1171, ein ansehnlicher Ort. In der Folge war sie lange die zweite Stadt Irlands, bis Cork sie um diesen Rang brachte. Jakob II. schiffte sich hier nach Frankreich ein. Wilhelm III residirte nachher zweymal daselbst, und bestätigte und vermehrte ihre Freiheiten.

Der schönste und interessanteste Theil der Stadt ist ohnstreitig der Quay, d. h. die Reihe Häuser, welche gegen den Hafen zu stehen, und zwischen welchen, und dem Hafen, eine Breite geschaffen ist, auf der verschiedene Wagen neben einander fahren können. Dieser Quay ist fast eine Meile lang, hat viele artige Häuser, Kaufmannsläden und Buden. Da die Schiffe hier befrachtet sowohl als abgeladen werden, so hat man hier das Vergnügen, das beständige Gewühl beschäftigter Menschen zu sehen, unter allerhand Formen und mit mancherley Sprachen: besonders sind viele Portugiesen darunter. — Der Fluß ist hier so breit, daß man ihn wie das Meer betrachten kann, ob er schon noch acht Meilen davon entfernt ist. Gegen über erheben sich einige Hügel, die eine angenehme Aussicht über die Mastbäume und zwischen durch geben. Daß der Hafen sehr tief ist, können Sie daraus abnehmen, daß ich D. Franklin hier sehe, ein Kriegsschiff von 60 Kanonen, das einige hiesige Kaufleute nach dem Frieden gekauft haben,  p.85 und das nun, in seinem Alter, als ein friedliches Kauffahrtey-Schiff segelt. Demohngeachtet hat die hiesige Schiffahrt eine große Beschwerde durch die Seichten und Sandbänke bey Duncannon, sechs Meilen näher dem Meere, wo große Schiffe manchmal liegen bleiben, und die Springtide, d. h. die größere Fluth, die sich nur alle Monate ereignet, erwarten müssen.

Man hat hier verschiedene Fabriken angelegt, allein es will noch nicht recht damit fort. So besah ich z. B. eine große Glasfabrik, zu der man aber den Sand aus England holen muß.

Das hiesige Bißthum ist eine reiche Pfründe, und hat einen schönen Pallast, nebst einer neuen bischöflichen Kirche, die recht artig ist, und die auf freiwillige Subscription erbaut ward. Vom gegenwärtigen Bischoffe, dem D. Newcome, hab ich Ihnen ein andermal geschrieben. Ausser verschiedenen andern Kirchen der hohen oder anglikanischen Kirche, sind hier noch vier katholische, eine Presbyterianische, eine Quakerkirche, eine Anabaptistenkirche und eine französisch-reformierte.

Von den Einwohnern dieser Stadt hab ich wenigere hier, als zu C*** gesehen. Einige darunter hab ich so gesittet und bekannt mit  p.86 Welt, Eleganz und Litteratur gefunden, als immer jemanden vom festen Lande. Unter andern hat mich das Unglück des Lords P. in die Bekanntschaft eines Waterforder Arztes gebracht, dem ich in den acht Tagen, die er zu C*** zubrachte, meine ganze Hochachtung geschenkt habe. Man sieht die Ärzte hier ohngefähr mit dem nämlichen Auge an wie in England, wo sie, wie bekannt, sehr in Ehren gehalten werden. Da ihr Studium theuer ist, so sind es mehrentheils Leute von Vermögen und Erziehung, und ihr Stand als Arzt verschafft ihnen in den besten Häusern nicht nur den gelegentlichen Eintritt, sondern sie werden als ein Theil der Gesellschaft betrachtet, in welcher sie mit feinen Sitten und dem Tone der Welt, Aufklärung und Kenntnisse vereinigen.

Eben so gleichen auch die Irischen Geistlichen, in manchen Betrachtungen, den Englischen. Der Mann vom Stande empfängt sie an seiner Tafel und in seinen Gesellschaften, und lebt im Ganzen auf einem ganz andren Fuß mit ihnen, als man an vielen Orten des festen Landes thut, wo ich diesen Stand oft auf eine sehr harte Art heruntergesetzt gesehen habe. Ich muß aber auch sagen, daß der Englische und Irische Geistliche, in Ton und Art sich weniger von den übrigen Menschen  p.87 unterscheidet, als es z. E. oft in Sachsen geschieht.

Die Bevölkerung von Waterford wird hier auf 30,000 Seelen geschätzt, ich bin aber gewiß, daß, wenn ich ein ganzes Drittheil davon nehme, ich der Wahrheit näher komme. — Sie haben hier ein stehendes Schauspiel, da ich aber niemals da übernachtet, so hab ich nichts davon gesehen.

16. C***, den 1. Sept.Die Welt gehört…

C***, den 1. Sept.

Die Welt gehört hier zu Lande den Reichen und Großen! — So hab ich schon unzähligemal bey mir selbst ausgerufen: Und ob schon dieser Satz so ziemlich in den mehresten Ländern wahr ist, so hab ich ihn doch nirgends so auffallend gesehen, als hier. Die Großen und Reichen haben hier ungeheure Striche Landes, und diejenigen, die es bauen, leben in der äussersten Armut. Wer einen Estate d. h. ein Gut, oder einen Strich Landes hat, verpachtet einen Theil davon an einen Landwirth oder Pachter, der gewöhnlich schon ein gewisses Vermögen hat. Dieser wird öfters sehr reich, kauft sich eigene Güter, und lebt auf den Fuß eines Gentleman, erzieht seine Kinder dem zu Folge, und wird manchmal mit der Zeit ein Parlements-Glied. Die größern  p.88 Pachter theilen das Land in kleine Stücke und verpachten diese wieder an Arme, welche denn auf diesem Stückgen Lande in einer elenden Hütte leben. Wer einen großen Estate hat, hat oft mehrere Pachter, denen er den größten Theil seiner Länder überläßt, und das, was ihm noch übrig bleibt, verpachtet er selbst, in kleinen Stücken, an jene armen Landleute, von denen ich geredet. Dieses ist, mehr oder weniger der allgemeine Gang, und das in England so wohl als in Irland, nur mit dem Unterschiede, daß in jenem der gemeine Landmann sich viel besser befindet, als in diesem.

Hier läßt Lord T** fast alles, was im Parke liegt, durch eigene Leute besorgen, an deren Spitze ein Pachter steht, der sein Haus mit vielen Nebengebäuden im Parke hat. Das Übrige ist theils in größern, theils in kleinern Stücken verpachtet, zum Theil an Arme, die der Lord nie zu sehen bekommt, und die er nicht kennt, weil alles durch einen Intendanten besorgt wird.

Ich bin mit Fleiß in verschiedene dieser Hütten gegangen, die auf diesen weitläufigen Gütern zerstreut liegen. Denken Sie sich eine niedrige Mauer von Leim {Lehm} ins Gevierte, oben mit dünnen Balken belegt, welche mit Stroh  p.89 behangen sind: so haben Sie die ganze Wohnung des größten Theils der niedern Landleute. Der Boden ist in diesen Hütten manchmal mit Steinen belegt, gewöhnlicher aber ists die bloße Erde. Äusserst selten ist in diesen kleinen, engen Hütten eine Abtheilung; die ganze Hütte macht gewöhnlich nur ein Zimmer aus, in welchem die ganze Familie wohnt, schläft, kocht, sich wärmet, und alles ihr Hausgeräthe hat. Ein kleines Fenster, theils mit Glas, theils mit Papier versehen, gibt weniger Licht, als die Öfnung der Thüre, welche man gewöhnlich offen läßt. Über der Stelle, wo das Feuer gehalten wird, ist in manchen dieser Hütten ein gemauerter Schornstein; in vielen aber gar nichts, und da mag der Rauch selbst sehen, was er für einen Weg findet, den er denn gewöhnlich zur Thüre hinaus nimmt, wenn er die Öfnungen im Dache, die nicht selten sind, nicht groß genug findet. Dieses ganze Gemälde ist nach der Natur, und keineswegs übertrieben.

Nebengebäude gibts keine; denn da das Klima äusserst mild ist, so lebt alles Vieh, Sommer und Winter, unter freiem Himmel. Wird irgend eins krank, nun so nimmt man es ins Haus. Das Heu wird in großen Schobern aufgehäuft und bleibt unter freiem  p.90 Himmel. Der Getraidebau scheint blos von den reichern Pachtern getrieben zu werden.

Auf diese Art lebt hier der niedere Landmann, geht barfuß, wenig und schlecht bekleidet, und nährt sich mit Erdäpfeln, Käse und Milch. Mit dem, was er von seiner Viehzucht gewinnt, bezahlt er den Pacht, und das Übrige vertrinkt er in Whisky, einer Art Kornbrandtewein. Bey dem allen ist er nichts weniger als unglücklich. Im Gegentheil, seine Lage schient ihm zu behagen: er ist unthätig und gibt sich nicht die geringste Mühe, durch bessere Anbauung des Landes seinen Zustand zu verbessern. Den Neid kennt er nicht; denn seine Nachbarn leben wie er, und die Reichen liegen zu sehr außer seinem Kreise, als daß er an sie hinauf denken sollte. Er schlendert ganz gelassen durch den schönen Park des reichen Güterbesitzers und denkt an keine Vergleichung.

Überhaupt ist es eine allgemeine Bemerkung, daß der eingeschränkte Mensch, (und vielleicht die mehresten Menschen überhaupt) selten weit über seinen Stand hinausschaut. Unser Nachbar, unser Bekannter erregt unsern Neid, nicht der Fürst und die Großen der Erde, die der gewöhnliche Mensch mehrentheils als ganz ausser seinem Kreise betrachtet. Ein guter,  p.91 wohlhabender Bürger wird sich nicht leicht einen Pallast, Kutschen und viele Pferde, und ein Heer von Bediensteten wünschen; wohl aber die bessere Tafel und das bequemere Haus seines Nachbars, und vielleicht den Bedienten und das Reitpferd oder Cabriol eines andern.

Der Anblick und der ganze Zustand dieser armseligen Menschen, von einer andern Seite betrachtet, gibt mir oft Veranlassung, eine Vergleichung zwischen ihnen und den Großen des Landes, unter denen sie leben, anzustellen, und ich finde aufs Neue die Bemerkung bestätigt, die ich seit der Zeit in mir herumtrage, seitdem ich viele der glänzenden Classen des Lebens gesehen habe.

Ich weiß nicht, warum ein grosser Theil unserer Gottesgelehrten in allem, was ihnen vorkommt, ohne Unterlaß auf eine andere Welt verweisen! Reichthum und Armuth, anscheinendes Glück, Ungerechtigkeit auf der einen, und Duldung auf der andern Seite, Beraubung und Genuß — alles, alles soll in jener Welt gleichgemacht, compensirt werden. Daß ist alles wahr, und ist auch ein ganz kurzer Weg den Knoten aufzulösen. Allein ich glaube, daß wenn wir die Dinge dieser Welt genau betrachten, wenn wir Gelegenheit haben, uns in allen den verschiedenen Ständen des  p.92 menschlichen Lebens umzusehen, so werden wir finden, daß schon hier in dieser Welt unendlich mehr Compensation ist, als man insgemein glaubt, d.h. daß der Antheil von Glück und Unglück, von Lust und Unlust, der einem jeden hienieden zugemessen ist, freilich nicht ganz gleich ist — wohl aber einander so ziemlich nahe kommt.

Ich habe mancherley Betrachtungen darüber angestellt, wenn ich auf den weitläuftigen Gütern des Grafen spazieren reite, oder fahre, und die Menge von elenden, oft nur halb gekleideten Menschen sehe, die mit entblößtem Haupte da stehen, wenn der glänzende Wagen, oder das stolze Pferd, vor ihnen dahin fliegt. Welch ein Unterschied! Die einen leben im äussersten Überflusse, wohnen in prächtigen Sälen, kleiden sich in die besten Stoffe, raffiniren über ihre Tafel, und setzen die vier Welttheile in Contribution, um ihren Sinnen zu schmeicheln. Den andern fehlt es an allem; sie nähren sich mit Erdäpfeln und Buttermilch, oder mit bloßem Wasser; denn oft können sie die letzte nicht erschwingen. Und doch bin ich fest überzeugt, daß unter diesen Elenden mancher ist, der wahrhaft glücklicher ist, als irgend jemand von uns.

Mangel und Bedürfniß sind ein Wort, die Sache selbst existirt blos durch Vergleichung, und  p.93 wir kennen weder die eine, noch den andern, so lange wir sie nicht wirklich fühlen. Derjenige aber fühlt sie nicht, der sich mit dem begnügt, was er hat, nie aus seiner Sphäre tritt, sein Schlendrian-Leben einen Tag wie den andern fortführt, oder das, was er hat wahrhaft genießt. Diese Disposition aber findet man in den niedrigsten Ständen eher, als in irgend einem andern. Die eingeschränkte Seele ist der feinern Eindrücke unfähig, jedes Raffinement ist ihr fremd, und von tausend Dingen, die uns unglücklich machen, hat sie nicht einmal einen Begriff. So ein Mensch arbeitet seinen Tag weg, und denkt an wenig anders, als an das, was er gerade macht. Seine Einbildungskraft ruht unthätig, und wenn er des Abends nach Hause kömmt, schmecken ihm seine Erdäpfel weit besser, als mir das auf Silber angerichtete Nachtessen, zu dem ich keinen Appetit habe. Sein Schlaf ist ruhig, heiter und erquickend, denn er hat sich nicht überessen, und seine Seele, die nicht, wie die meinige, rege ist, erhitzt seinen Körper nicht. Sein Leben ist gewissermassen thierisch, aber er ist nicht unglücklich. Er hat wenig Genuß von Seiten feiner Seelen-Kräfte; aber tausend Dinge, durch die unser feineres Gewebe duldet und abgenagt wird, machen auf ihn nicht den geringsten Eindruck. Ist er so glücklich, seine Erdäpfel noch mit einer andern Schüssel zu  p.94 vermehren, so hat er etwas, das der Reiche und der Große sich nie verschaffen kann; letzterer hat in seinen Vorraths-Kammern alles, was er wünscht, folglich hat er kein Verlangen zu befriedigen.

Daß dieser Elende nicht auch manche wahre Leiden haben sollte, ist freilich nicht zu vermuthen; auch sey der Gedanke ferne von mir, daß irgend jemand mit ihnen würde tauschen wollen. Ich wollte blos sagen, daß zwischen diesem Elenden und dem, den ein anderer beneidet, kein so ungeheurer Unterschied sey, so bald man wahre Glückseligkeit und Leiden gegen einander abwiegt.

Der Irische Landmann darf keinesweges, zur Entschuldigung seiner Trägheit vorschützen, daß das Land, das er baut, nicht sein eigen ist. Diese Entschuldigung fällt weg, sobald man weiß, daß die Pachte auf dreyßig, vierzig, funfzig, ja auf hundert Jahre geschlossen werden. Man hat mich versichert, daß der Englische Herzog von Devonshire Pachter hat, die seit mehr als zweyhundert Jahren auf seinen Gütern leben; und, was noch mehr erstaunenswürdig ist, er hat den Pacht-Contrakt nicht geändert; wenigstens war es so vor einer gewissen Anzahl von Jahren. Man gab ihm da 50,00 Pf. aus Gütern, aus denen er 80,000 hätte ziehen können. Manche Englische Familien zeigen hierinnen einen  p.95 besonderen Stolz und Größe. — In Irland findet dieses, wegen der heftigen Revolutionen, die das Land erlitten, nicht statt. So galten z. E. die Güter in dem Kriege zwischen Jakob II. und Wilhelm III. gar nichts, und die Güterbesitzer verpachteten sie auf viele, viele Jahre, blos um gegenwärtig etwas Sicheres dafür zu bekommen.

Auf einem Spazierritte zeigte mir ein Gutsbesitzer ein großes Stück Land, und sagte: “In zwey Jahren denk' ich dieses für 400 Pf. zu verpachten, gegenwärtig bekomme ich jährlich nicht mehr als zehn dafür, weil mein Großvater es auf neunzig Jahre verpachtet hat. Die Familie, die es gepachtet hat, ist seitdem reich dadurch geworden, lebt nun auf eigenen Gütern in einem großen, schönen Hause, und hat diesen Strich Landes an eine Menge armer Leute verpachtet.”

Ich erinnere mich nur kürzlich gelesen zu haben: The distribution of property in Ireland is more unequal than in England or America.15 Schon in England haben die Reichen zu viel liegende Gründe, und die Armen zu wenig, und in Irland ist der Unterschied noch viel auffallender. Ich glaube nicht, daß es in Sachsen eine Familie gibt, die jährlich 4,000 Pf.  p.96 (24,000 Rthl.) hat: in Irland ist das eine Kleinigkeit, die mancher besitzt, der nicht einmal einen Titel hat, und der, nach unsrer Art zu reden, nicht einmal zum kleinen Adel gehört. Und doch ist auch das noch nichts, wenn ich es gegen England halte, wo es unzählige Familien gibt, die jährlich von 4 bis 10,000 Pf. Einkünfte haben. Aber dafür gibt es auch in England unzählige Kaufleute. Kein Land in der Welt hat verhältnismäßig so viel Fabriken, und selbst der gemeine Mann ist theils reich, theils wohlhabend. Auf diese Art balancirt sich das, und der Kaufmann und die übrigen niedern Stände sind, gegen die reichen Güterbesitzer (Lords of the Manor) doch nicht arm. In Irland hingegen hat der Güterbesitzer alles.

Nach allem, was ich Ihnen nun vom Landbau und den niedern Landleuten in Irland gesagt habe, müssen Sie doch nicht glauben, daß dies der Zustand des ganzen Landes, ohne Ausnahme, ist. Nein, im Norden sieht es um ein gutes besser aus. Die Ursache ist in der Geschichte zu finden. Durch die Kriege, welche Elisabeth, und ihr Nachfolger, Jakob I. gegen die katholischen Iren führten, fielen der Krone 511,465 acres Land anheim, in den Grafschaften Donnegal, Tyrone, Colerain, Fermanagh, Carvan {Cavan} und Armagh. Die Papisten wurden größtentheils  p.97 aus diesen Provinzen vertrieben, und dieser katholische und äusserst unruhige Theil von Irland, ward vom Hofe größtentheils mit Protestanten besetzt, welche mehr Industrie hatten, und durch welche der einzige Zweig des Irischen Handels, der ansehnliche Summen ins Land bringt, ich nenne die Linnenmanufakturen, hauptsächlich getrieben wird.

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Title (uniform): Sechzehn Briefe aus Irland nach Sachsen

Author: Carl Gottlob Küttner

Responsibility statement

Edited by: M. Schenk

Electronic edition compiled, proof-read and annotated by: Beatrix Färber

Funded by: Beatrix Färber

Edition statement

1. First draft.

Extent: 20120 words

Publication statement

Publisher: CELT: Corpus of Electronic Texts: a project of University College, Cork

Address: College Road, Cork, Ireland — http://www.ucc.ie/celt

Date: 2013

Distributor: CELT online at University College, Cork, Ireland.

CELT document ID: D780001

Availability: Available with prior consent of the CELT programme for purposes of academic research and teaching only.

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Edition

  • K. G. Küttners Briefe über Irland an seinen Freund, den Herausgeber, Leipzig 1785. (Available online at http://www.slub-dresden.de/sammlungen/digitale-sammlungen/)

Other works by Küttner (in German)

  1. Der natürliche Sohn, ein Lustspiel in fünf Akten, von Herrn Cumberland, aus dem Englischen. [Translated from English.] (Leipzig 1786).
  2. Über die französischen Kriminalgesetze und Geschichte des inquirierten Parlementsraths Herrn von Vocanze; aus dem Französischen. Bern 1786.
  3. Beyträge zur Kenntniß des Innern von England, aus den Briefen eines Freundes gezogen von dem Herausgeber (dem M. Dyk), erstes bis sechzehntes Stück. (Leipzig 1791–1796).
  4. Beyträge zur Kenntniß vorzüglich des gegenwärtigen Zustandes von Frankreich und Holland, mit untermischten Vergleichungen verschiedener Orte und Gegenstände unter einander. Aus den Briefen eines in England wohnenden Deutschen auf seinen Reisen durch Frankreich und Holland in den Jahren 1787, 1790 und 1791. (Leipzig 1792).
  5. Wanderungen durch die Niederlande, Deutschland und die Schweiz und Italien in den Jahren 1793 und 1794; 2 Bände (Leipzig 1796).
  6. Über den ökonomischen und politischen Zustand von Großbrittannien zu Anfange des Jahres 1796 (Leipzig 1796).
  7. Reise durch Teutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und einen Theil von Italien in den Jahren 1997–99, 4 Bände (Leipzig 1801, 2. Auflage 1804).
  8. (Hg.) Reisen durch England: Warners Reise durch die nördlichen Grafschaften von England und die Grenzen von Schottland. 2 Bände (Leipzig 1803). [By Richard Warner]
  9. (Hg.) Briefe über Ostindien, das Vorgebirge der guten Hoffnung und die Insel St. Helene. Geschrieben aus diesen Ländern von C. C. Best, Hauptmann bei den churhannöverschen Truppen in Ostindien. Herausgegeben von Karl Gottlob Küttner. Mit kolorierten Abbildungen und Prospekten. (Leipzig 1807).
  10. Carl Gottlob Küttner, mit William Nicholson, Neues und vollständiges deutsch-englisches Wörterbuch, Band 1 (Leipzig 1805).
  11. Biographical information about Carl Gottlob Küttner (in German) is available online at Sächsische Biografie, herausgegeben vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearbeitet von Martina Schattkowsky, http://www.isgv.de/saebi/. There is also an entry about Küttner (in German) at http://www.deutsche-biographie.de/sfz46840.html.

The edition used in the digital edition

Schenk, M., ed. (1785). K. G. Küttners Briefe über Irland an seinen Freund, den Herausgeber‍. 1st ed. xxix + 448 pages. Leipzig: Johann Philipp Haugs Witwe.

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Project description: CELT: Corpus of Electronic Texts

Sampling declarations

The present text covers the first 16 letters written by Küttner during his stay in Ireland to Schenk in 1783. Three kinds of footnotes are contained (a) authorial, marked resp="CGK" (b) editorial, by Schenk, marked resp="ed"; (c) editorial, by Beatrix Färber, marked resp="BF"; all within the TEI-XML encoding.

Editorial declarations

Correction: Text proofread twice.

Normalization: The electronic text represents the edited German letters. Errata listed on the unnumbered page following the introduction are integrated. Obvious typographical errors are also corrected marked corr sic="" resp="BF". In many cases the spelling differs from the usage of today. Küttner's spelling and punctuation is often inconsistent across his letters, as the orthography of German was not standardized yet. This has been allowed to stand in many cases.

Quotation: Direct speech is tagged q.

Hyphenation: Soft hyphens are silently removed. When a hyphenated word (hard or soft) crosses a page-break or line-break, this break is marked after the completion of the hyphenated word.

Segmentation: div0=the correspondence; div1=the letters of one year; div2=the individual letter; page-breaks are marked.

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Interpretation: A selection of place-names, personal names, and group names has been tagged. Words and phrases from languages other than German are tagged.

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A canonical reference to a location in this text should be made using “Brief”, eg Brief 1.

Profile description

Creation: By Carl Gottlob Küttner (1755–1805) 8 June to 29 August 1783

Language usage

  • The text is in German of the late 18th century. (de)
  • Many words and phrases are in English. (en)
  • Some words and phrases are in French. (fr)
  • Some words and phrases are in Latin. (la)
  • Some words and phrases are in Italian. (it)
  • A few words and phrases are in Irish, including those in anglicized spelling. (ga)

Keywords: travel; description; letters; prose; 18c; manners and customs; Southern Ireland

Revision description

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  2. 2013-12-08: Two letters added; file re-parsed and updated. (ed. Beatrix Färber)
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  4. 2013-05-02: Addition made to bibliographical details, one letter added; file updated. (ed. Beatrix Färber)
  5. 2012-10-25: Additions made to bibliographical details, one letter added; file updated. (ed. Beatrix Färber)
  6. 2012-09-30: Proofing (2) finished; more markup applied; file re-parsed; additions made to bibliographical details, annotations completed; SGML and HTML files created. (ed. Beatrix Färber)
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  8. 2012-08: Text proofed (1), structural and content encoding added; explanatory footnotes in German added. (ed. Beatrix Färber)
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  1. Die Beschreibung dieser Reise wird in den Briefen über England vorkommen. [A. d. H.] 🢀

  2. Die erstere war von Frankreich aus nach England. 🢀

  3. Ich gehöre in seiner Betrachtung unter die Schauspieldichter des letzten Decenniums, ich lasse aber dennoch dieser Beschreibung von der Seekrankheit eine Stelle in diesen Briefen, weil vielleicht mancher einen richtigen Begriff davon haben möchte, und weil die Beschreibung selbst gewiß nicht eckelhaft ist. [A. d. H.] 🢀

  4. Es sind jedesmal Englische Meilen zu verstehen. 🢀

  5. Diese waren Anführer der Genfer Volkspartei: Clavière (auch Glàviere), Du Roveray. 🢀

  6. Vgl. Twiss, S. 71: “About two miles from the town is a square stone obelisk, of twenty feet to each side, at the base, and which I guess to be about 150 feet high; it is erected on a rock on the edge of the river Boyne.” Er gibt die Inschrift auf S. 72 an, und erwähnt ein 'bad engraving' des Obelisks im Frontispiz von Thomas Wrights Buch Louthiana (London 1748). Der Obelisk wurde 1923 zerstört. 🢀

  7. Philip Dormer Stanhope, 4th Earl of Chesterfield (1694–1773). 🢀

  8. “Madame, ich hoffe Sie als eine alte Frau zu sehen.” 🢀

  9. A Tale of a Tub, vgl. http://www.ucc.ie/celt/published/E700001-013/index.html/ 🢀

  10. Laut Brockhaus, Bd 10, 14. Auflage, 1894–1896, S. 1005: (frz. “écu de six livers”), eine 1726–94 geprägte französische Silbermünze (für Ecu) im Werte von 6 Livres, die ihren Namen von den Lorbeerzweigen erhielt, welche das Gepräge umgaben. Der Laubthaler hatte besonders im Auslande starken Umlauf. Aus ihm entstand unter österreichischer Herrschaft in den Niederlanden der Kronenthaler (s. d.) 🢀

  11. Im Monat Juli 1784 schrieb mir der Verfasser dieser Briefe über diesen Orden noch folgendes: “Als dieser Orden gestiftet wurde, mußte man wenigstens ein Earl sein, um ihn zu bekommen, und die Zahl der Ritter wurde blos auf funfzehn festgesetzt. Seitdem hat der König hierinnen dispensiert und vor kurzem bekam ein Englischer Lord den Orden über die festgesetzte Zahl.” [A .d. H.] 🢀

  12. Seitdem, schreibt mir der Verfasser in dem angeführten Monate, ist diese Summe durch eine Parlementsacte auf 20,000 Irische Pf. gesetzt worden. [A. d. H.] 🢀

  13. Wahrscheinlich ist Naas gemeint, dessen Namen Küttner über die Eselsbrücke “Der Ortsname klingt ähnlich wie 'nice', und bedeutet 'nett' = Neat” falsch aus dem Gedächntis abgerufen hat. 🢀

  14. D.h. A new geographical: Historical, and Commercial grammar; and present state of the several kingdoms of the world. Containing I. The Figures, Motions, and Distances of the Planets, according to the Newtonian System and the latest Observations. II. A general View of the Earth considered as a Planet; with several useful Geographical Definitions and Problems. III. The grand Divisions of the Globe into Land and Water, Continents and Islands. IV. The Situation and Extent of Empires, Kingdoms, States, Provinces, and Colonies. V. Their Climate, Air, Soil, vegetable Productions, Metals, Minerals, natural Curiosities, Seas, Rivers, Bays, Capes, Promontories, and Lakes. VI. The Birds and Beasts peculiar to each Country. VII. Observations on the Changes that have been any where observed upon the Face of Nature since the most early Periods of History. VIII. The History and Origin of Nations: their Forms of Government, Religion, Laws, Revenues, Taxes, naval and military Strength. IX. The Genius, Manners, Customs, and Habits of the People. X. Their Language, Learning, Arts, Sciences, Manufactures, and Commerce. XI. The chief Cities, Structures, Ruins, and artificial Curiosities. XII. The Longitude, Latitude, Bearings, and Distances of principal Places from London. With a table of the coins of all nations, and their value in English money. By William Guthrie, Esq. Illustrated with a new and correct set of maps, Engraved by Mr. Kitchin. 🢀

  15. Das Eigenthum ist in Irland mehr ungleich vertheilt als in England und Amerika. 🢀

CELT

2 Carrigside, College Road, Cork

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